AKW-Stresstest: Viel Brimborium, wenig Stress und ein Minister, der zaudert

Pressemitteilung
Zum heute von Umweltminister Röttgen vorgestellten Bericht der  Reaktorsicherheitskommission über die Prüfung der deutschen Atomkraftwerke erklärt Sylvia Kotting-Uhl, Sprecherin für Atompolitik:
Die grundlegenden Defizite von Krümmel und den sieben ältesten Atomkraftwerken sind längst bekannt. Im Lichte von Fukushima muss die Bundesregierung endlich die Konsequenzen daraus ziehen und diese acht Meiler sofort und endgültig stilllegen. Dafür hätte man keinen Stresstest gebraucht und erst recht kein Fragebogenverfahren, das sich weitgehend auf die Antworten der AKW-Betreiber verlassen muss. Krümmel und die sieben ältesten AKW sind unter anderem deshalb die unsichersten Atomkraftwerke in Deutschland, weil sie die schlechteste Auslegung und die geringsten Sicherheitsreserven haben. Sie haben die meisten Bauteildefekte und die größten Probleme, wenn es einmal brennt.
Doch all dies wurde von der Reaktorsicherheitskommission gar nicht bewertet. Stattdessen musste sie im Schweinsgalopp ein Ergebnis produzieren, das viel Spielraum für Interpretation lässt und das ihr eigener Vorsitzender umgehend relativiert hat. Der Bericht stiftet in vielerlei Hinsicht mehr Verwirrung als Nutzen. Der vollmundigen Ankündigung eines Stresstests, der die Anlagen auf Herz und Nieren prüft, konnte das Verfahren nie gerecht werden. Umso wichtiger ist jetzt absolute Transparenz. Alle Unterlagen müssen offengelegt werden, insbesondere die Antworten der AKW-Betreiber.
Und es ist am Umweltminister, endlich seiner politischen Verantwortung gerecht zu werden und die acht unsichersten Atomkraftwerke in Deutschland stillzulegen. Dieser Verantwortung kann er sich nicht weiter entledigen, indem er seine Sachverständigen auf unmögliche Missionen schickt.

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