Kotting-Uhl, MdB, Bundestag, Bündnis 90/Die Grünen, Karlsruhe

«

»

Beitrag drucken

Antwort von Sylvia Kotting-Uhl auf Kommentar von Klaus Gassner in der BNN

Wenn der Politikstil Winfried Kretschmanns hemdsärmelig ist, dann ist dieser Kommentar bodenlos! Da wird erst wieder der Uralt-Popanz von der unerschütterlichen Sicherheit deutscher Atomanlagen aufgebaut, an die nach eigener Aussage selbst die CDU-Kanzlerin nach Fukushima nicht mehr glaubt, um dann zu suggerieren, dass die Zwischenlagerung von fünf zusätzlichen Castoren mit Atommüll in Philippsburg nun erstmals das Potential habe Unsicherheit und Gefährdung nach Philippsburg zu bringen. Ich entschuldige mich, falls der Ton jetzt nicht ganz angemessen ist, aber: Geht’s noch?

Ein paar Fakten: 1. Es ist Teil eines unter einer schwarz-gelben Bundesregierung beschlossenen Gesetzes, dass 26 Castoren aus der Wiederaufarbeitung in standortnahe Zwischenlager gebracht werden müssen. Dem Anliegen nach möglichst kurzen Transportwegen wird bei den fünf Castoren, um die es hier geht entsprochen: Der kürzeste Weg über Land aus La Hague in ein Zwischenlager ist der nach Philippsburg. 5 Castoren von 26, im Gegensatz zu über 50 für Philippsburg, wenn die Laufzeitverlängerung von 2010 nicht zurück genommen worden wäre. 2. “Fremden Müll” gibt es tonnenweise in Gorleben, auch die beiden AKW Philippsburg haben dort reichlich eingelagert. In den fünf Castoren aus La Hague befindet sich auch Müll aus Philippsburg, genauso wie in den 21 Castoren, die in andere standortnahe Zwischenlager in Deutschland gebracht werden. Nach der Wiederaufarbeitung ist er nicht mehr zu trennen von dem Müll der anderen deutschen Reaktoren von EnBW, Eon, RWE und Vattenfall. Wer trägt nach Ansicht des Redaktionsleiters der BNN die Verantwortung für diesen Müll? Wem soll er übereignet werden? Ich bin für jeden konstruktiven Vorschlag dankbar.

Sylvia Kotting-Uhl

 

Badische Neueste Nachrichten
Hemdsärmelig – Kommentar von Klaus Gassner

Selbst die Arena Pernambuco in Brasilien könnte nicht all jene umweltbewegten Atomkraftgegner aufnehmen, die gegen einen schwarzen Ministerpräsidenten zu Felde gezogen wären, wenn er so wie aktuell Winfried Kretschmann argumentiert hätte. Dabei nutzt der grüne Regierungschef von Baden-Württemberg nur den gesunden Menschenverstand, wenn er sich für die Zwischenlagerung weiteren Atommülls in Philippsburg starkmacht. Aber genau gegen diesen gesunden Menschenverstand haben die Grünen jahrelang erbittert gekämpft – wieder eine Volte mehr in der unendlichen Geschichte deutscher Atomnutzung.

Die deutsche Kerntechnik war einmal weltweit die sicherste. Sie unterstand einer durchdachten und immer wieder aufs Neue geschärften Sicherheitsphilosophie, die menschliche Fehler ebenso einschloss wie technisches Versagen, die Systeme mehrfach hintereinander anordnete und mit Wahrscheinlichkeiten jenseits des Vorstellbaren operierte. Die unentwegte Kritik an der Atomenergie führte dazu, dass selbst dieses elaborierte System beständig auf den Prüfstand gestellt und verbessert wurde, und die kleinste Abweichung von der definierten Norm als meldepflichtiger Fehler öffentlichkeitswirksam gebrandmarkt wurde. Nun geht es um ganz andere Kategorien. Philippsburg wurde im Zuge des rot-grünen Atomausstiegs ein Zwischenlager vor die Nase gesetzt. Jetzt wird dieses Zwischenlager auch noch mit fremdem Müll aufgefüllt. Mit der einst durchdachten Sicherheitsphilosophie hat dieses dezentralisierte Rumgeschiebe nichts mehr zu tun, zu Recht fühlt man sich in der Stadt übergangen.

Das hemdsärmelige Vorgehen verstößt gegen die einstige Sicherheitsarchitektur und ramponiert das ehedem gerühmte Renommee deutscher Atomnutzung. Dass die Umwidmung kein inakzeptables Zusatzrisiko birgt, ist Sicherheitstechnikern zu danken, die einst nach mathematischer Präzision entschieden – nicht nach politischer Opportunität

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://kotting-uhl.de/site/antwort-von-sylvia-kotting-uhl-auf-kommentar-von-klaus-gassner-in-der-bnn/