Appell für den Frieden

Badische Neueste Nachrichten

Karlsruher Diskussionsrunde zu Atomwaffen  –  Viele Fragen bleiben offen

Karlsruhe. Derzeit wird das sogenannte „Gleichgewicht des Schreckens“ vor allem durch die Abschreckungsdoktrin in der Waage gehalten. Sprich: Die Gegner verzichten auf den Einsatz von Atomwaffen, da sie wissen, der andere hat mindestens genauso viele Waffen. „Bisher hat es funktioniert“, sagt der Karlsruher CDU-Stadtrat Albert Käuflein im Verlauf einer Diskussionsrunde und schiebt direkt hinterher, dass auch ihm eine Welt ohne Abschreckungsdoktrin lieber wäre, dies aber Wunschdenken sei.

Mit Käuflein auf dem vom Attac Karlsruhe-Mitglied Ullrich Lochmann moderierten Podium sind die Bundestagsabgeordneten, Sylvia Kotting-Uhl (Grüne), Karin Binder (Die Linke) und der Bundestagskandidat der SPD, Parsa Marvi. Die Meinung der Linken ist schnell zusammengefasst: Die Nato solle man am besten auflösen, da sie Teil des internationalen Aufrüstungsbündnisses sei. „Die Doktrin der Abschreckung hat noch nie funktioniert“, meint Binder. Wenn jemand Europa schaden wolle, sei Deutschland alleine schon wegen der geografischen Lage das beste Ziel und sowieso sei ein Unfall mit den Waffen, die vor Ort in der Bundesrepublik lagern, viel wahrscheinlicher als dass ein Machthaber auf den Knopf drücke.

„Wenn wir Atomwaffen haben, warum setzen wir sie nicht ein?“, zitiert Sylvia Kotting-Uhl Trumps erschreckende Aussage und plädiert gegen noch mehr Waffen. Uneinigkeit herrscht bei der Frage, ob Atomwaffen per UN-Beschluss verboten werden sollten, was Binder bejaht. „Die Vereinten Nationen können Atombomben gar nicht ein- fach verbieten“, wirft Käuflein ein und plädiert für die Selbstverpflichtung der einzelnen Staaten. Marvi zeigt sich hingegen davon überzeugt, dass internationaler Druck durchaus etwas bewirken könne.

Das Karlsruher Publikum ist fast redefreudiger als die politischen Vertreter auf dem Podium, spart nicht mit Fragen und übt auch Kritik. Warum will Deutschland die nukleare Teilhabe überhaupt? Hat die Bundesregierung nicht einen Vertrag unterzeichnet, in dem es zusagt, keine Atomwaffen zu besitzen oder an diesen zu arbeiten? Die meisten Antworten bleiben an diesem Abend aus. Nur die Diskussion zu der aktuellen Forschung an Atomkraftwerken lässt die Emotionen nochmal hochkochen. Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen, findet Forschung an sogenannten „sicheren Reaktoren“ schlicht unsäglich, da Sicherheitsforschung immer auch der Reaktor-Entwicklung diene. Auch Marvi fordert einen öffentlichen Diskurs um die nukleare Forschung, Binder spricht sich für die Einstellungen der wissenschaftlichen Arbeiten aus. Ans Karlsruher KIT gewandt, wünschen sich Podium und Zuschauer mehr Transparenz der Forschungsarbeiten und einig ist man sich auch darin, dass sich eigentlich alle eine Welt gänzlich frei von Atomwaffen wünschen.

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | POLITIK | 08.04.2017  (Janina Beuscher)

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