„Asyl ist ein Recht und keine Gnade“

Badische Neueste Nachrichten
Podiumsdiskussion im IBZ zum Thema „Deutschland – Einwanderungsland“
eki. Während die Vereinten Nationen über Strategien zur Entspannung des Syrien-Konflikts beraten, haben viele Syrer die Hoffnung auf eine friedliche Lösung bereits aufgegeben. Rund zwei Millionen Menschen flüchteten bereits vor dem Bürgerkrieg im eigenen Land und suchten Zuflucht in den Nachbarregionen. Nun sollen 5 000 Flüchtlinge aus Syrien in Deutschland aufgenommen werden. Das sei angesichts des enormen Flüchtlingsstromes nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Parsa Marvi. „Deutschland muss mehr Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen. Das ist unsere Aufgabe und Teil der versprochenen humanitären Hilfe“, betonte der Bundestagskandidat der Karlsruher SPD am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion im Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) zum Thema „Deutschland – Einwanderungsland“. Marvi diskutierte mit den Bundestagabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (Grüne), Karin Binder (Linke), Heinz Golombeck (FDP) sowie der Vorsitzenden der Frauenunion der Karlsruher CDU, Rahsan Dogan über Verbesserungsmöglichkeiten im Umgang mit Flüchtlingen und Asylpolitik.
Auch Kotting-Uhl kritisierte die „Obergrenze“ für Flüchtlinge aus Syrien. „Dort herrscht momentan die größtmögliche humanitäre Katastrophe“, so die Grünen-Politikerin. Und nicht nur die zwei Millionen geflüchteten Syrer benötigten Hilfe, auch innerhalb des kriegsgeplagten Landes gebe es massive Flüchtlingsströme von hilfsbedürftigen Familien. „Ein reiches Land wie Deutschland darf hier keine Grenze bei der Aufnahme von Flüchtlingen festlegen“, so Kotting-Uhl. Mit einer Politik der „offenen Tür“ könnte ein positives Zeichen gesetzt werden.
Binder forderte ebenfalls die Aufnahme von mehr als 5 000 syrischen Flüchtlingen. „Deutschland macht es sich bei diesem Thema gerne zu einfach“, monierte die Linken-Abgeordnete. Die Bundesrepublik überlasse die Aufnahme von Flüchtlingen allzu gerne den Staaten mit direkten Grenzen in die Krisenregionen. Diese Länder müssten bei der Flüchtlingsaufnahme unterstützt werden, forderte Dogan. „Aber die Regelungen für eine verbesserte Flüchtlingspolitik sowie eine Verteilung der Flüchtlinge müssen von der Europäischen Gemeinschaft getroffen werden“, so Dogan. „Asyl ist ein Recht und keine Gnade“, appellierte auch Golombeck zu einem fairen Umgang mit Flüchtlingen und Asylbewerbern.
Einigkeit herrschte bei den Diskutanten, dass die Unterbringung der Flüchtlinge in Deutschland verbessert werden müssen. Lagerähnliche Zustände in den Aufnahmestellen und eine teilweise Ghettoisierung dienten nicht der Integration. Auch sollten die oft hochwertigen Berufsabschlüsse aus dem Ausland schneller anerkannt werden. Wegen des Fachkräftemangels in vielen Branchen gebe es derzeit genügend Stellen für qualifizierte Arbeitnehmer und durch ein geregeltes Leben außerhalb der Unterkünfte können Flüchtlinge in der neuen Heimat schneller Anschluss finden, so der Tenor der Veranstaltung.
Bei der emotionalen Diskussion mit den sehr gut informierten Besuchern des IBZ kamen auch noch aktuelle Themen wie die Situation der Flüchtlinge aus Ungarn oder die Integration ausländischer Kinder in den deutschen Schulen zur Sprache. Migration und Asylrecht sorgten bereits seit geraumer Zeit für sehr viel Diskussionsbedarf, sagte IBZ-Leiterin Iris Sardarabady: „Aber trotzdem wurden diese Themen während des Bundestagswahlkampfs bislang beinahe stiefmütterlich behandelt“.
Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 12.09.2013

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