Atomkraftwerk Fessenheim: ein Jahrzehnt mehr Risiko

Zur Entscheidung der französischen Atomaufsicht, den Weiterbetrieb von Fessenheim 2 für weitere zehn Jahre zu gestatten, erklärt Sylvia Kotting-Uhl, Sprecherin für Atompolitik:

Ein Weiterbetrieb von Fessenheim 2 um weitere zehn Jahre ist ein unverantwortliches Spiel mit dem Risiko auf Kosten der Bevölkerung auf beiden Seiten des Rheins.

Dass die Bundesregierung den Weiterbetrieb dieses grenznahen Risikomeilers sang- und klanglos hinnimmt, zeigt, dass ihr nach Fukushima eingetretenes Risikobewusstsein bereits wieder in Vergessenheit geraten ist. Dies muss sich schleunigst ändern.

Fessenheim ist das älteste und wohl auch gefährlichste Atomkraftwerk Frankreichs. Die jüngste Nachrüstauflage ist einem Problem geschuldet, das eigentlich zur endgültigen Abschaltung von Fessenheim führen muss. Das Kraftwerksfundament ist viel zu dünn, das dünnste im ganzen französischen AKW-Park.  Eine Kernschmelze in Fessenheim würde daher deutlich schlimmere Auswirkungen haben als in anderen Atomkraftwerken.

Die eigentlich notwendige Konsequenz bei so einem schweren Sicherheitsdefizit muss die Stilllegung sein.  Stattdessen wurde eine Schmalspur-Nachrüstung zur Auflage gemacht, die nicht mehr ist als ein Feigenblatt.  Die ist ungefähr so aberwitzig, als würde man ein nach heutigen Maßstäben nicht mehr zulassungsfähiges Auto nicht aus dem Verkehr ziehen, sondern nur fordern, dass es einen zusätzlichen Verbandskasten und Feuerlöscher bekommen muss.

Dieses Spiel mit dem Risiko ist kein rein französisches. Der Bundesregierung ist vorzuwerfen, dass sie Frankreich um eine möglichst schnelle Abschaltung von Fessenheim nicht einmal bittet, geschweige denn engagiert fordert. Sie bittet noch nicht einmal darum, dass die wichtigsten aussagekräftigen Unterlagen zum Sicherheitszustand der Altanlage veröffentlicht werden. Derartige Unterlagen wären zumindest für die vielen Menschen in der Region, die sich anders als die Bundesregierung zu Recht Sorgen machen und gegen Fessenheim engagieren, eine Hilfe. So geht die Bundesregierung nachlässig mit dem Schutzbedürfnis ihrer Bevölkerung um.

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