Platzmangel und Rost an den Fässern

Badische Neueste Nachrichten

Im ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe machen die Atomaltlasten Sorgen
Von Peter Zschunke, Matthias Kuld und Tobias Roth

Karlsruhe. Akute Gefahren für Mensch und Umwelt gibt es nicht – aber Fässer mit Atommüll sollten einfach nicht rosten. Solche Schäden sind in mindestens 1 692 Fässern festgestellt worden, die schwach- und mittelradioaktive Abfälle enthalten und im ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe auf die Endlagerung warten. „Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, es wird noch einiges mehr auftauchen“, sagt die atompolitische Sprecherin der Grünen und Karlsruher Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl. „Es macht mir Sorge, dass diese Fässer Jahrzehnte über Jahrzehnte hinweg schlecht überstehen“, sagt Kotting-Uhl. „Das stellt sich jetzt zunehmend heraus.“ Die geplante Endlagerung im niedersächsischen Schacht Konrad werde aber noch ein paar Jahre brauchen.

Auch die für den Rückbau der ehemaligen Anlagen in Karlsruhe zuständige WAK GmbH weist auf die Verzögerung beim Schacht Konrad hin und fügt hinzu: „Bei solch langen Lagerzeiten sind Korrosionsprozesse nicht auszuschließen.“ Der schwach- und mittelradioaktive Atommüll stammt sowohl aus den ehemaligen kerntechnischen Anlagen des Standorts Karlsruhe als auch aus anderen Nukleareinrichtungen in Baden-Württemberg. Die Abfälle werden in Fässern gelagert, die in Containern gestapelt nun in dem Karlsruher Zwischenlager liegen. Dort ist kaum noch Platz. Deshalb wird erwartet, dass die für die Entsorgung am Standort Karlsruhe zuständige WAK GmbH bei dem für die Aufsicht zuständigen Umweltministerium in Stuttgart einen Antrag auf Erweiterung des Zwischenlagers stellen wird. Bernd Stober, Bürgermeister von Eggenstein-Leopoldshafen, betonte gestern auf BNN-Anfrage, dass beim Thema Erweiterung offenbar auch über eine mögliche Beteiligung der Bevölkerung nachgedacht werde. Stober erklärte zudem, ihm sei bekannt gewesen, dass „mehrere zehntausend Fässer“ dort eingelagert sind und das es Korrosionen gebe. Dies sei auch mit der WAK besprochen worden, die wiederum zugesagt habe, die defekten Fässer umzuschichten. Harry Block vom Vorstand der Umweltorganisation BUND Mittlerer Oberrhein sagte gestern: „Alle wussten, dass es ein Problem gibt, man hat es einfach nur verdrängt.“

Im ehemaligen Kernforschungs- zentrum sind 1 692 Fässer beschädigt, bundesweit sind es rund 2 000. Warum so viele in Karlsruhe? „Wenn sich in Zwischenlagern korrodierte Abfallfässer befinden, bedeutet das, dass die Fässer bisher nicht endlagergerecht verpackt wurden“, erklärt eine Sprecherin im Bundesamt für Strahlenschutz. Dabei sind die Endlagerungsbedingungen für Schacht Konrad nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz schon seit den 1990er Jahren bekannt.

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | Titel | 19.11.2014 

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