Antrag im Bundestag: Atomrisiken ernst nehmen – Auch in Bezug auf die nahe liegenden Atomkraftwerke in Belgien

Antrag

Das belgische Atomkraftwerk Tihange liegt nur 70 Kilometer von der deutsch-belgischen Grenze entfernt. Aus diesem Grund besteht besonders im Rheinland, insbesondere in der Region Aachen- Düren ein starkes öffentliches Interesse an dieser Anlage. Die Reaktorkatastrophen in den Atomkraftwerken Tschernobyl und Fukushima haben gezeigt, dass die Atomkraft keine sichere Technologie ist – sicher ist nur das Risiko.

Das AKW Tihange ist der Eifelregion und dem Rheinland näher als alle deutschen Atomkraftwerke. Ein Unfall beträfe die Menschen in dieser Region mit als Erste. Wie u.a. Untersuchungen der Universität für Bodenkunde Wien ergeben haben, kann ein Super-GAU dazu führen, dass viele Gemeinden in Deutschland und der Euregio Maas-Rhein für Jahrzehnte unbewohnbar werden. Die Stadt Aachen, als Oberzentrum mit 250.000 Einwohnern, wäre auf Dauer unbewohnbar.

Die Reaktorblöcke in Tihange sind mit 26, 29 und 36 Jahren bereits sehr alt. Mit erhöhtem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls durch Verschleiß der Bauteile. In dem AKW ereignete sich bereits einen Unfall der Stufe 2 auf der INES-Skala. Die Erdbebensicherheit des Kraftwerks ist ebenfalls anzuzweifeln. Die von der Atomaufsichtsbehörde angegebene Sicherheit bis Beben von 5,9 auf der Richterskala ist in Anbetracht des Bebens von 1992 in Roermond, nur 90 km entfernt, mit eben diesem Wert äußerst fragwürdig. Zudem entweicht seit Jahren radioaktiv kontaminiertes Kühlwasser aus dem Abklingbecken von Tihange-1.

Im August 2012 wurde der Reaktor Tihange-2, aufgrund der bekannt gewordenen unzähligen Rissbildungen im Reaktorbehälter, vorläufig abgeschaltet. Die jüngst veröffentlichten Ergebnisse einer Studie der unabhängigen Materialforscherin Dr. Ilse Tweer werfen weitere Fragen hinsichtlich der Sicherheit der Anlage auf.

Vor diesem Hintergrund gab es in der grenznahen Region zu Belgien in den letzten Jahren eine Vielzahl von Resolutionen der Kommunalparlamente, die eine Abschaltung der Reaktoren in Tihange fordern. Diese Resolutionen wurden fast überall einstimmig über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg verabschiedet.

Wirkliche Sicherheit lässt sich bei Atomkraftwerken nur durch ein endgültiges Abschalten erreichen. Aber schon eine intensivierte Beratung von Schwachstellen und Zwischenfällen kann die gegenseitige Sicherheit verbessern. Aus diesem Grund bestehen zwischen Deutschland und fast allen Nachbarstaaten mit Atomkraftwerken bilaterale Abkommen zur Zusammenarbeit in Fragen der Nuklearsicherheit und des Strahlenschutzes.

Doch ein solches Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Belgien fehlt bisher….

Antrag weiterlesen Bundestag-Drucksache 17/13491

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://kotting-uhl.de/site/atomrisiken-ernst-nehmen-auch-in-bezug-auf-die-nahe-liegenden-atomkraftwerke-in-belgien/