Ausstieg aus Forschung

Berlin/Karlsruhe (fer). Sylvia Kotting-Uhl versteht die Welt nicht mehr. Vor knapp eineinhalb Jahren, am 30. Juni 2011, beschloss der Bundestag mit großer Mehrheit den Ausstieg aus der Atomkraft. Spätestens Ende 2022 soll der letzte Meiler abgeschaltet werden. Dennoch investiert die schwarz-gelbe Bundesregierung unverändert nach Berechnungen der atompolitischen Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag mindestens ein Drittel des 2,7 Milliarden Euro schweren Gesamtetats ihres Energieforschungsprogramms in die nationale Atomforschung. Von 2011 bis 2014 würden dafür 900 Millionen Euro an Steuermitteln veranschlagt, kritisierte die Karlsruher Abgeordnete gegenüber unserer Zeitung. In einem Positionspapier für die Grünen-Fraktion fordert sie als Konsequenz aus dem Atomausstieg die Umwidmung der staatlichen Mittel „weg von atomarer Forschung hin zu Forschung für die Energiewende“.
Das „finanziell unersättlichste Projekt atomarer Forschung“ sei nach wie vor die Kernfusion. Auch nach mehr als 60 Jahren Forschung wisse niemand, ob die kontrollierte Verschmelzung jemals stabil und kommerziell funktionieren könne. Selbst wenn die Kernfusion tatsächlich funktioniere, komme sie zu spät, da bis 2050 die Stromerzeugung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien erfolge. Dennoch würden unverändert Milliarden in das europäische Forschungsprojekt ITER gesteckt, an dem auch die Bundesrepublik beteiligt ist, die Kosten würden mittlerweile auf 17 Milliarden Euro geschätzt, dreimal so viel wie noch 2007 geplant. Sylvia Kotting-Uhl fordert als Konsequenz den „sofortigen Ausstieg Deutschlands“ aus dem Projekt.

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