Besuch in der offenen Nähwerkstatt

Von Jogginghose bis zum Schlips – Nähwerkstatt des Freundeskreises Asyl sucht nach größerem Gebäude

Viele Menschen, die aus ihrer vom Krieg zerstörten Heimat nach Europa flüchten müssen, bringen Fertigkeiten mit und eine davon ganz besonders häufig: Sie beherrschen die Kunst des Nähens. In der Nähwerkstatt des Freundeskreises Asyl kommen vor allem Frauen zusammen, die daraus ein kleines, aber feines Geschäft machen. Dafür benötigen sie Unterstützung. Die Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl (Grüne) stattete den Näherinnen am Dienstag einen Besuch ab.

Schauplatz ist ein Gebäude in einem der vielen Hinterhöfe in der Südstadt: In der Marienstraße befindet sich eben jene Nähwerkstatt, in der mehrere Frauen, die ganz unterschiedlich lange in Deutschland sind, auf kleinstem Raum verschiedene Näharbeiten erledigen. Der Freundeskreis Asyl hat das Projekt ins Leben gerufen. Damit sollen Geflüchteten und langzeitarbeitslosen Menschen berufliche Perspektiven er-öffnet werden.

So wie zum Beispiel Ama. Sie stammt aus dem Libanon und ist schon 20 Jahre in Deutschland. In der Nähwerkstatt ist sie am Vormittag für die Betreuung von Kindern anderer Mütter zuständig, am Nachmittag näht sie selbst. Der Lohn dafür kommt vom Jobcenter. Auf einem großen Tisch hat sie das aufgereiht, was in der Werkstatt entsteht: Jogginghosen, T-Shirts, Handstulpen oder Baumwolltaschen.

Alles werde in kleiner Stückzahl produziert, berichtet Claudia Nehel-Slepica, die Leiterin der Nähwerkstatt. Erster größerer Kunde ist Fabian Krüger, der das Modelabel „Get Lazy“ im Alten Schlachthof betreibt. Er lässt in der Werkstatt hochwertige Jogginghosen aus Biobaumwolle herstellen, weil er von der Qualität der Näherinnen überzeugt sei. Pullover und T-Shirts sollen bald folgen. Ein weiterer Kunde ist “verkorkst”. Das Label lässt dort Schlipse aus Korkmaterial in kleiner Auflage produzieren.

Um größere Aufträge annehmen zu können, braucht die Nähwerkstatt auf absehbare Zeit mehr Platz, stellt die Werkstattleiterin fest. Die Suche danach gestalte sich schwierig. Möglicherweise könnte das Alte Schlachthof-Gelände ein Ort sein, wo die Einrichtung unterkommen könne.

Für die Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl ist die Nähwerkstatt „ein tolles sozialökologisches Projekt“, das Unterstützung verdiene. Hier werde vor Ort produziert und „die Coronapandemie hat uns ja gelehrt, dass Lieferketten und Arbeitsbedingungen in anderen Erdteilen eben nicht immer nachvollzogen werden können“. Für die Werkstatt geht es neben einem besseren Platzangebot auch darum, die Finanzierung in den kommenden Jahren sicherzustellen. Leiterin Nehel-Slepica betont die soziale Komponente der Werkstatt: „Die Frauen kommen eben auch hier her, weil sie die Kontakte haben möchten.

Quelle: Badische Neueste Nachrichten Karlsruhe / Von unserem Mitarbeiter Marcus Dischinger

Fotos: privat

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