Brunsbüttel als Warnung

Badische Neueste Nachrichten

Rost an Atommüllfässern: Kotting-Uhl kritisiert die Bundesregierung

Karlsruhe. Brunsbüttel ist für Sylvia Kotting-Uhl Warnung genug. Dort wurde 2012 ein völlig verrostetes Fass mit Atommüll entdeckt, das bereits ausgelaufen war. Mehr als zweieinhalb Jahre später finden sich nun auch in Karlsruhe Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall, die Rost angesetzt haben. Von Verhältnissen wie in Brunsbüttel sei man in Karlsruhe zwar weit entfernt, betont die Bundestagsabgeordnete der Grünen, dennoch gebe der Fund zu denken. „Es fängt gerade erst an, wir werden in Sachen Atommüll noch einiges hören“, ist Kotting-Uhl überzeugt.

Insgesamt 65 000 Fässer lagern auf dem Areal der ehemaligen Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe (WAK) in Eggenstein-Leopoldshafen, es ist das größte Lager seiner Art deutschlandweit. Rund ein Drittel der Fässer sind seit 2005 überprüft worden, an 1 692 fanden sich Rostschäden. „Keines der Fässer war außen kontaminiert oder stark beschädigt“, erklärte Kotting-Uhl gestern in Karlsruhe, die mit den rostenden Fässern auch keine Panik in der Bevölkerung schüren möchte. Aber der Fund mache auf ein ernstes Prob- lem aufmerksam: „Die Zeitdauer der Lagerung ist offensichtlich zu lang für das Material. Das Problem wird sich noch zuspitzen.“ Denn eine schnelle Lösung gibt es nicht. Der Karlsruher Atommüll soll im Schacht Konrad in Niedersachsen endgelagert werden. Für die Inbetriebnahme ist das Jahr 2022 anvisiert, ob der Termin zu halten ist, da ist sich die Karlsruher Bundestagsabgeordnete allerdings nicht sicher. Das heißt, in Karlsruhe wird noch mindestens acht Jahre zwischengelagert. Und der Platz ist jetzt bereits eng. Deshalb steht auch die Frage nach einer Erweiterung im Raum.

Hinzu kommt, dass Konrad offenbar schon zu klein ist, bevor der Schacht in Betrieb gegangen ist. Denn Deutschland hat deutlich mehr Atommüll als bisher angenommen. Das liegt aber nicht daran, dass irgendwo bislang unbekannte Fässer aufgetaucht sind, sondern dass viele schwach- und mittelradioaktive Abfälle bisher als Wertstoffe galten, die nun laut nationalem Entsorgungsplan als Atommüll deklariert werden. „Das ist ein deutlicher Fortschritt“, findet Kotting-Uhl, die auch Mitglied der Endlager-Kommission ist. Es ist aber abzusehen, dass im Schacht Konrad nicht genug Platz sein wird. Kritik übt Kotting-Uhl indes an der Bundesregierung, die seit dem Rostfass in Brunsbüttel zu wenig getan habe und die Verantwortung auf die Länder abwälze, die für die Atomaufsicht verantwortlich sind, aber ihre Bestände äußerst unterschiedlich prüfen. „Bei einigen Ländern passiert kaum etwas.“

In einer Antwort der Bundesregierung von Ende Oktober auf eine Anfrage Kotting-Uhls, die den BNN vorliegt, geht außerdem hervor: „Es gibt keinen umfassenden offiziellen Überblick über den gesamten deutschen Atommüll-Bestand.“ Weiterhin wird deutlich, dass die Zwischenlagerung auch ein erheblicher Kostenfaktor ist. Für die Zwischenlager, die vom Bund getragen werden, wozu auch Karlsruhe zählt, sind zwischen 2004 und 2013 insgesamt Kosten von über 250 Millionen Euro entstanden. Tobias Roth

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | ZEITGESCHEHEN | 20.11.2014

Print Friendly, PDF & Email

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://kotting-uhl.de/site/brunsbuettel-als-warnung/