Das Atommüll-Problem lässt sich nur solidarisch und mit gerecht verteilten Lasten lösen – Scheinheiligkeit ist fehl am Platz

Pressemitteilung

Zu ablehnenden Reaktionen auf die Bund-Länder-Absicht, ausstehenden Atommüll aus der Wiederaufarbeitung nicht mehr in Gorleben zu lagern, erklärt Sylvia Kotting-Uhl:

Eine Lösung des Endlagerproblems wird es nur geben, wenn die Lasten auf dem Weg dorthin solidarisch und gerecht verteilt werden.

Die Politik hat nach schwierigen Verhandlungen in dieser Woche einen wichtigen und notwendigen Durchbruch erzielt. Damit verbunden ist allerdings die unbequeme Wahrheit für manche Atomstandorte, dass sie nach jahrzehntelanger einseitiger Belastung von Gorleben nun wieder mit in die Verantwortung genommen werden.

Bürgerinnen und Bürger, die immer gegen das AKW vor ihrer Haustür waren, können zurecht eine zusätzliche Belastung beklagen. Der Aufschrei der Empörung des Philippsburger Bürgermeisters ist dagegen höchst scheinheilig. Denn den infrage stehenden Atommüll haben die Atomkraftwerke produziert, auch die der EnBW. Ein Atomkraftwerk vor Ort zu haben, bedeutet eben nicht nur erquickliche Einnahmen für die Gemeindekasse, sondern es bedeutet auch massive Gefahren, die vor allem vom AKW-Betrieb selbst ausgehen. Und es bedeutet gefährlichen, unbequemen Atommüll.

Es ist schon bemerkenswert, dass der Philippsburger Bürgermeister sich nie über die Gefährlichkeit des Atomkraftwerks empört, dass er 2010 nicht gegen die Laufzeitverlängerung protestiert hat und dass er so tut, als hätten Atomkraftwerk und Atommüll nichts miteinander zu tun.

Wir Politikerinnen und Politiker sind jetzt gefordert, daran zu erinnern, dass das Atommüllproblem uns alle angeht und nur solidarisch, fair und konsensorientert gelöst werden kann. Scheinheiligkeit und das Davonlaufen vor unbequemen Wahrheiten sind dagegen fehl am Platz.

Wichtig ist jetzt aber natürlich auch, dass es bei der Verteilung der 26 ausstehenden Castorbehälter auf die AKW-Zwischenlager gerecht zugeht. Was nicht passieren darf, ist, den Philippsburgern die Verantwortung für RWE-Atommüll aufzubürden und einen RWE-Standort wie Biblis aus der Pflicht zu entlassen. Politische Verantwortungsträger, die der Gemeinde Philippsburg einen wirklichen Gefallen tun wollen, sollten sich in diesem Sinne um Gerechtigkeit bemühen.

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