Der letzte Auslöser war Tschernobyl

Badische Neueste Nachrichten

Die Karlsruher Grünen-Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl spricht mit Schülern über ihren Werdegang und ihre politische Arbeit

Während unserer Berlinfahrt besuchten wir auch den Bundestag. Dort hatten wir, die Klasse 9a, die Gelegenheit, der Karlsruher Politikerin und atompolitischen Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, einige Fragen zu stellen.

Wie hat Ihre politische Karriere begonnen und was waren Ihre Beweggründe dafür, in die Politik zu gehen?

Kotting-Uhl: Schon in meiner Jugend war ich eher links orientiert. Als 1980 mein erstes Kind auf die Welt kam, gab es den Trend, „alternativ“ zu leben, und ich zog mit meiner Familie aufs Land, um in Einklang mit der Natur zu leben. Doch schon bald habe ich gemerkt, dass es nicht einfach ist, sich nachhaltig zu verhalten, vor allem, wenn die politischen Rahmenbedingungen nicht stimmen. Da dachte ich mir, jetzt ist es gut mit deiner grünen Insel, du musst jetzt was tun, Sylvia. Der Hauptauslöser, mich politisch zu engagieren, waren allerdings die Atom- und Umweltkatastrophen in Tschernobyl und Sandoz 1986 und das große Waldsterben, also trat ich den Grünen bei. Fünf Jahre später wurde ich Mitglied des Landesvorstands, dann Landesvorsitzende und später auch Bundestagsabgeordnete, was ursprünglich nicht mein Ziel war. Doch jetzt bin ich in der Position, in der ich etwas bewirken kann.

Haben Sie ein politisches Vorbild?

Kotting-Uhl: Ja, mein Vorbild war und ist die Kenianerin Wangari Maathai. Sie fand während ihres Biologiestudiums heraus, dass in Kenia an fast allen Quellen Feigenbäume stehen, da die Wurzeln dieses Baumes tiefe Gesteinsschichten aufbrechen können. Als wegen des Tee-Anbaus die Bäume gerodet wurden und die Quellen versiegten, begann das Land unter der Trockenheit zu leiden. Deshalb rief Wangari Maathai die Frauen dazu auf, eine Million Feigenbäume zu pflanzen. Diese Zahl wurde weit übertroffen.

Wie wollen Sie mehr Jugendliche für Politik interessieren?

Kotting-Uhl: Ich versuche, mit Schulen zu kooperieren, um Gespräche mit Klassen zu führen. Außerdem gibt es diverse Foren und die Grüne Jugend, wo man sich austauschen kann. In der letzten Wahlperiode habe ich als umweltpolitische Sprecherin der Grünen jedes Jahr eine Jugendumweltkonferenz für den Austausch mit Jugendlichen organisiert. Es ist wichtig, dass man den Jugendlichen zuhört, weil man oft darin falsch liegt, welche Interessen diese zurzeit haben.

Wie stehen Sie zum Drohnenkauf der Bundeswehr?

Kotting-Uhl: Bewaffnete Drohnen sind ein absolutes No-Go, weil sie die Hemmschwelle zum Töten auf null senken. Zudem werden auch ethische Grundsätze missachtet. Eine Drohne setzt auf gezieltes Töten. Das widerspricht eindeutig unserem Grundgesetz, weil dadurch eine Todesstrafe für Terroristen durch die Hintertür eingeführt wird.

Wie haben Sie bei der Energiewende mitgewirkt?

Kotting-Uhl: Die Energiewende ist im Moment noch nichts anderes als ein Wort. Das heißt, sie ist eher im Prozess als ein Zustand. Uns geht das alles nicht ambitioniert genug. Erst hat die Regierung den Atomausstieg zurückgenommen, dann kam Fukushima und plötzlich wollte auch die Regierung die Atomkraftwerke loswerden. Doch bis das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet ist, wird es noch eine Weile dauern. Als atompolitische Sprecherin der Grünen kümmere ich mich um die Sicherheit der AKW, auch der grenznahen im Ausland, um ein Gesetz zur Endlagerung des Atommülls und versuche zu beenden, dass mit unserem Geld weiterhin Atomforschung betrieben wird.

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 04.07.2013

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