„Die Impulse sind hilfreich“

Interview, Badische Neueste Nachrichten
Welche Erwartungen haben Sie vor dem Bundesparteitag?
Kotting-Uhl: Das wird ein Bundesparteitag mit Auseinandersetzungen. Wir haben diesen großen Freiheitsantrag. Da sehe ich persönlich sehr die Gefahr der Verdrängung ökologischer Wahrheiten. Da werde ich versuchen, mich in die Debatte mit einzubringen, weil ich eine andere Sicht der Dinge habe. Dann sind für mich die Fragen zur Endlagerung von Atommüll in Schacht Konrad sehr wichtig. Außerdem haben wir wirtschafts- und außenpolitische Themen vor uns. Da gibt es Bereiche, in denen wir zum Teil noch keine Beschlüsse gefasst haben oder Dinge verändern wollen. Da sind spannende Debatten zu erwarten.
Das klingt nach einem Parteitag mit verstärkten Richtungsdebatten …
Kotting-Uhl: Ja. Ich begrüße das, weil wir unsere besten Zeiten als Partei immer hatten, wenn wir uns richtig auseinandergesetzt haben über essenzielle Fragen. Dann waren wir spannend, nach innen aber auch nach außen. Auch unsere Wähler haben im Kern an uns geschätzt, dass wir die großen Fragen der Zeit früh aufgegriffen und sehr leidenschaftlich diskutiert haben.
Wie bewerten Sie denn die Anregung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, dass die Grünen eine klassische Wirtschaftspartei werden sollten?
Kotting-Uhl: Ich glaube, dass wir in einer gewissen Weise schon immer eine Wirtschaftspartei waren, wenn man nach vorne schaut. Den Impuls einzubringen, wie wir mit der Wirtschaft die Zukunft gewinnen können und nicht gegen sie, das macht absolut Sinn und das ist auch eine Botschaft, die gehört werden sollte.
Sollen die Grünen aus dem Südwesten die Bundespartei auf Kurs bringen?
Kotting-Uhl: Die Impulse aus Baden-Württemberg sind hilfreich, das ist schließlich das erfolgreichste Bundesland. Aber man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass Baden-Württemberg überall wäre. Jetzt zu sagen, dass wir alles so machen wie in Baden-Württemberg, wäre nicht richtig. Wir haben einen extrem erfolgreichen Ministerpräsidenten, aber wir haben Bundesländer, in denen die Erfahrungen von Baden-Württemberg nichts bringen. Baden-Württemberg ist ein Land mit hohem Lebensstandard und relativ wenig Armut. Das ist in anderen Ländern völlig anders. Deswegen haben wir auch als Grüne in den jeweiligen Ländern eigene Konzepte.
Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | POLITIK | 21.11.2014

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