Drei der vier Abgeordneten sind heute bei Papstrede dabei

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“Man sollte hören, was er sagt” / Binder bleibt Parlament fern
Von unserem Redaktionsmitglied Tina Kampf
Mit Spannung erwarten viele den Auftritt von Benedikt XVI. heute Nachmittag im Bundestag – den jedoch eine der vier Karlsruher Bundestagsabgeordneten boykottieren wird. “Ich werde nicht im Parlament anwesend sein, wenn der Papst spricht”, sagt Karin Binder von den Linken.
Ihr sei die Trennung von Kirche und Staat wichtig, sagt die Abgeordnete, die evangelisch getauft wurde, inzwischen aber konfessionslos ist. “Außerdem betreibt der Papst eine falsche Politik, etwa im Umgang mit Homosexuellen”, sagt Binder, die von einer “völlig überholten Institution” spricht.
Dennoch wird die Linke sich die Rede nicht ganz entgehen lassen: “Ich bin ziemlich sicher, dass ich sie mir später doch anhören werde, um zu wissen, was der Papst zu sagen hat, nur im Parlament werde ich nicht sein.” Eine Entscheidung, die Berichten zufolge rund 100 der insgesamt 620 Abgeordneten so für sich getroffen haben – was in Kirchenkreisen für Irritationen sorgte und auch im Parlament umstritten ist. “Ich finde, man verschenkt etwas, wenn man nicht hingeht”, sagt die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl.
Es seien ja wohl gerade die Papstgegner, die fernbleiben wollen. “Ich sehe auch einiges kritisch, aber ich finde, man sollte selbst hören, was er zu sagen hat.” Der Papst sei ein Gast, der sich schließlich nicht selbst eingeladen habe. “Ich finde es letztlich natürlich, dass ich da bin und zuhöre, wenn er spricht”, so Kotting-Uhl.
Eine Einschätzung, die Ingo Wellenreuther teilt: “Sicher muss das jeder für sich entscheiden. Und man kann in Glaubensfragen ja auch anderer Meinung sein”, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete. “Es gehört sich meiner Meinung nach aber, dass man sich die Position des Papstes anhört und sich mit ihr auseinandersetzt.” Eine Flucht sei sicher nicht das geeignete Mittel. “Man sollte besser in die Kommunikation treten und die Diskussion suchen”, betont der Christdemokrat. (Siehe auch Sonderseite.) “Für mich wäre es abwegig, nicht in den Bundestag zu gehen, wenn dort der Papst spricht. Das ist ja ein besonderes Ereignis.” Für Wellenreuther ist es zudem die erste Begegnung mit dem Papst, “ich habe ihn vorher noch nie live erlebt”, sagt der Abgeordnete, der wie sein Kollege Heinz Golombeck von der FDP evangelisch ist. Auch der Liberale wird sich heute im Parlament die Rede von Benedikt XVI. anhören.
“Ich bin sehr gespannt, wie die Atmosphäre im Bundestag sein wird”, sagt Golombeck, der dabei durchaus Verständnis zeigt für die Parlamentarier, die den Auftritt boykottieren. “Es hat ja immer alles zwei Seiten. Und die Leute sehen eben auch die Kosten”, meint der Liberale: “Ein bisschen mehr Bescheidenheit beim Papstbesuch würde uns sicher allen gut tun.”

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