Drei Jahre Fukushima: Ein Ende der Hiobsbotschaften ist nicht in Sicht

Mittlerweile sind drei Jahre seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima vergangen. Trotz zahlreicher Vorhaben hat sich die Situation vor Ort wenig verbessert. Immer wieder erreichen uns neue Hiobsbotschaften aus der havarierten Atomanlage. Mal wird bekannt, dass das Filtersystem für das stark verseuchtes Wasser ausgefallen ist, mal berichten Arbeiter von fahrlässigen Arbeitsbedingungen, dann werden versehentlich Kühlpumpen abgeschaltet oder die Kühlung fällt gleich ganz aus aufgrund durchtrennter Kabel. Zwei weitere und direkt miteinander verbundene Dauerbaustellen sind das kontaminierte Wasser auf dem Gelände und der Zustand der Reaktorgebäude selbst.


Kühlungssituation weiterhin nicht unter Kontrolle

Während des Reaktorunfalls kam es in drei Reaktoren zu Kernschmelzen. Deswegen muss in die Reaktorgebäude dauerhaft Kühlwasser gepumpt werden. Sobald das Wasser zu stark kontaminiert ist und seine Kühlfunktion nicht mehr erfüllt, muss es in Speichertanks zwischengelagert werden. Nach Angaben des Betreibers Tepco müssen so täglich 400t entsorgt werden, die dann vor Ort auf eine weitere Aufarbeitung warten. Bei der ungeschützten Lagerung auf dem Gelände kommt es immer wieder zu schwerwiegenden Problemen. Ein Großteil der Speichertanks wurde notdürftig und in großer Eile nach der Katastrophe zusammengebaut. Die Speichertanks sind nicht für eine längere Aufbewahrung konstruiert. Es werden immer wieder Lecks gefunden, aus denen kontaminiertes Wasser austritt, teilweise bis zu mehrere 100 Tonnen. Das Wasser sickert in den Untergrund oder gelangt direkt in den Pazifik.

Dabei werden auch immer wieder starke Strahlenrekordwerte auf dem Gelände gemessen. Erst nach und nach werden jetzt die Tanks durch neue, geschweißte Behälter ausgewechselt. Die Beschaffenheit der Tanks ist allerdings nicht das einzige Problem. Der Lagerungsplatz auf dem Gelände ist begrenzt. Und selbst wenn das Wasser mit einer speziellen Anlage dekontaminiert wird, bleibt der gefährliche radioaktive Stoff Tritium erhalten. Wird das Wasser danach im Meer verklappt, besteht die Gefahr für eine Kontamination großer Fischbestände. In der Bucht vor Fukushima ist die Belastung mit radioaktivem Cäsium-137 bereits dramatisch gestiegen und Fischerei seit der Katastrophe nicht mehr erlaubt.
 
Beschädigung an den Reaktorgebäuden

Neben der ungelösten Frage, was langfristig mit dem kontaminierten Wasser geschehen soll, gibt es noch eine weitaus größere und gefährlichere Problematik. Aufgrund der massiven Schäden an den Gebäuden ist teilweise noch unklar, wie es im Inneren genau aussieht. Klar ist, dass die Sicherheitsbehälter bei den Kernschmelzen stark beschädigt und durchlöchert worden sind. Block 1 und Block 4 sind mittlerweile eingehaust worden. Block 3 ist jedoch weiterhin stark zerstört. Der dort geschmolzene Kernbrennstoff wird mit Roboterkameras gesucht, wurde aber bisher nicht gefunden. Die Strahlung dort ist mehrere Hundert Millisievert hoch. Das Gebäude muss ständig mit Kühlwasser geflutet werden, um eine noch höhere Strahlung zu vermeiden. Die Situation an Reaktor 3 ist offensichtlich die problematischste momentan.

Zumindest die Situation in Reaktorblock 4 scheint erst einmal gelöst zu sein. Das Abklingbecken, das in einer Höhe von 30 Metern gelagert ist, wurde bisher nur provisorisch gestützt. Ein weiteres Beben hätte leicht dazu führen können, dass das Becken beschädigt wird und die 1535 Brennstäbe nicht mehr ausreichend gekühlt würden. Mittlerweile wurde das Abklingbecken aber befestigt und die Brennelemente werden aus dem Lagerbecken geborgen und vorerst in Castoren auf dem Gelände zwischengelagert.

Die Folgen der Reaktorkatastrophe in Fukushima sind bisher weder beherrschbar noch in Gänze absehbar. Es wird noch lange brauchen, bis die Situation wirklich wieder unter Kontrolle gebracht ist. Trotzdem hält die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe an der Atomenergie fest. Am 25. Februar 2014 veröffentlichte die japanische Regierung einen Entwurf für ihre langfristige Energieplanung, in dem sie Atomenergie als wichtige Stromquelle bekräftigte. Unmittelbar vor dem Jahrestag hat Abe nun auch öffentlich bekannt gegeben, wieder Atomkraftwerke anfahren zu wollen.

Die Probleme, die sich in Fukushima auftun zeigen deutlich, dass eine Technologie wie Atomkraft nicht beherrschbar und ein weltweiter Ausstieg aus der Atomkraft notwendig ist.
 


 
mehr dazu:
Pressemitteilung “Keine Entwarnung für Fukushima

Reader “Fukushima: Drei Jahre nach dem Gau”

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