Kotting-Uhl, MdB, Bundestag, Bündnis 90/Die Grünen, Karlsruhe

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„Ein ökologischer Fußabdruck bleibt“

Badische Neueste Nachrichten

Kotting-Uhl verteidigt die Energiewende – Grünen-Politikerin bei Karlsruher Atomtagen

Karlsruhe. „Viele Länder der Welt schauen auf uns und darauf, wie wir den Atomausstieg schaffen“, so die Grünen-Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl bei ihrer Rede im Rahmen der Atomtage, die derzeit in Karlsruhe veranstaltet werden. Sie ging in ihrer Rede unter anderem auf die Fragen der Sicherheit, der Forschung und der Endlagersuche ein. „Es wird einige Jahrzehnte brauchen, bis der atomare Müll in ein dann hoffentlich gefundenes und genehmigtes Endlager überführt werden kann – mit einer Rückholoption für die nächsten Jahrhunderte“, so die Politikerin. Doch auch die Wertschöpfung vor Ort hinterlasse ihre Spuren, beispielsweise bei der Windkraft. „Es gibt keine Energieerzeugung ohne Eingriff in die Natur, ohne ökologischen Fußabdruck“, verdeutlichte Kotting-Uhl die Problematik der „Verspargelung“ der Landschaft durch die meterhohen Windräder. Dennoch müsse der „Kampf gegen die Klimakatastrophe“ weitergehen.

Zuvor hatte Oberbürgermeister Frank Mentrup die Besucher der Karlsruher Atomtage begrüßt: „Wir sind ein führender Forschungsstandort im Bereich der regenerativen Energien. Die Hälfte aller Forschungsgelder am KIT gehen in den Bereich Energie“, führte Mentrup aus.

Dass die Bundesregierung den Ausbau erneuerbare Energien abgewürgt und stattdessen die Braunkohle fördere, warf die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender ein. „Es herrscht kein Vorankommen im Bereich der Energieeffizienz. Die Elektromobilität ist ein Irrweg und führt nicht wirklich zur Energiewende“, so Dahlbender. Einige Zahlen nannte der Umweltminister Franz Untersteller, der auch Mitglied der Infokommission zum Kernkraftwerk Philippsburg ist. In Baden-Württemberg liege der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung heute bereits bei etwa 25 Prozent. „Dabei war die Ausgangssituation in Baden-Württemberg nicht einfach. Der Atomstromanteil lag bei 50 Prozent und soll in den nächsten Jahren auf Null sinken“, sagte Untersteller, der an die Abschaltung von den Blöcken Zwei in Philippsburg und Neckarwestheim erinnerte. Durch die vielen Industriebetriebe gibt es hierzulande einen hohen Strombedarf und man sei auf die „Rahmenbedienungen der Bundesregierung“ angewiesen. In Sachen Windenergie dagegen habe Baden-Württemberg das Schlusslicht inne. „Wir haben 94 Genehmigungen im letzten Jahr erteilt. Etwa 250 Anlagen sind derzeit im Genehmigungsverfahren“, verdeutlichte der Minister mit Blick auf die landesweiten Initiativen gegen den Windkraftausbau.

„Wir stehen vor einer riesigen Herausforderung und nehmen diese an – ohne wenn und aber“, sagte Hans-Josef Zimmer, Mitglied des Vorstands bei der EnBW. Man wolle künftig unter den Top drei der Windenergieentwickler sein, mehrere Windparks sollen in Zukunft entstehen. „Dazu ist aber auch der Ausbau der Netze unerlässlich“, verdeutlichte Zimmer. Der Windschwerpunkt liege nunmal im Norden, ohne den Netzausbau werde es schwierig mit der Energiewende. Wie zeitgemäß die Forschung am KIT sei, war die Frage des Grünen-Landesvorsitzenden Oliver Hildenbrand, der die Diskussion moderierte, an Walter Tromm. Der Programmsprecher „Nuklear“ am KIT bestätigte, dass sich der Forschungsschwerpunkt gewandelt habe und nun vor allem auf der Energieforschung und beispielsweise auf den passenden Speichern liege. Auch an Technologien im Solarbereich werde stark gearbeitet, während die Reaktorsicherheitsforschung nach und nach reduziert würde.

Bei den Karlsruher Atomtagen steht heute das Thema Sicherheit im Fokus, bei der Diskussion heute Abend (18 Uhr) im Ziegerlsaal der Akropolis, Baumeisterstraße 18, ist Rebecca Harms zu Gast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Parlament der Europäischen Union in Straßburg. Anschließend (20 Uhr) debattieren in einem Streitgespräch Ralf Güldner vom deutschen Atomforum, Harry Block vom BUND und Michael Sailer vom Öko-Institut.

Morgen geht es ab 10 Uhr um die Themen Endlagerung und Forschung. Weitere Infos unterwww.atomtage.de

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | POLITIK | 17.07.2015 Seite 4

Von Janina Beuscher

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