Eine Kultur des Misstrauens

Badische Neueste Nachrichten

Debatte über Atommüll-Lagerung als Schlusspunkt der Karlsruher Atomtage
Endlagersuche: „Bürger früh beteiligen“
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Karlsruhe (eki). Fünf Atomkraftwerke gibt es in der Schweiz, ein Endlager für den radioaktiven Müll haben die Eidgenossen trotz intensiver Suche aber bis heute nicht gefunden. „Und wenn die Verfahren zur Suche von geeigneten Standorten nicht grundsätzlich geändert werden, wird sich daran auch künftig nichts ändern“, sagt Marcos Buser. Der schweizerische Geologe gab am Samstagvormittag bei den Karlsruher Atomtagen einen Einblick in den bisherigen Verlauf des Verfahrens. „Bisher war die Endlagersuche hauptsächlich politisch geprägt“, so Buser, „aber eigentlich sollten bei diesem Thema vor allem die Wissenschaftler befragt werden.“ Seiner Ansicht nach gibt es derzeit in der Schweiz nämlich keine Deponierungsmöglichkeit für hochaktive Abfälle, die einer speziellen Lagerung bedürfen. Die ergebnislose Endlagersuche ist beileibe kein schweizerisches Problem, so Buser. Seinen Recherchen nach gibt es weltweit gerade einmal ein genehmigtes Endlager und zwar im US-Bundesstaat New Mexiko.

„Die Entsorgung des Atommülls ist eines der größten Herausforderungen bei der Energiewende“, sagt Sylvia Kotting-Uhl. Die Karlsruher Bundestagsabgeordnete der Grünen und Initiatorin der Atomtage sieht in der Endlagerproblematik einen Grund für den Ausstieg aus der Atomkraft. „Bis Ende des Jahrhunderts wird es wohl keine Atomkraftwerke mehr geben“, prognostiziert Kotting-Uhl, denn die alten Kraftwerke müssten irgendwann zurückgebaut werden und für neue fehle dann die Akzeptanz.

Auch in der Region ist die Lagerung der radioaktiven Abfälle ein Dauerbrenner, weiß David Spelman-Kranich von den Grünen in Eggenstein-Leopoldshafen, der von den Problemen bei der Atommülllagerung im ehemaligen Forschungszentrum Karlsruhe auf dem Campus Nord des KIT berichtete. „Beim Rückbau der alten Forschungsanlagen entsteht jede Menge Müll“, so Spelman-Kranich. Die Kapazität des mittelaktiven Lagers in Eggenstein-Leopoldshafen wird nach Spelman-Kranichs Schätzungen 2019 erreicht sein, ein Jahr später können auch keine schwachradioaktiven Abfälle mehr aufgenommen werden. Als Endlager steht der Schacht Konrad in Niedersachsen mit einer Kapazität von 300 000 Kubikmeter zur Debatte. Genehmigt wurde das Endlager 2002 und ab 2022 könnte es dort gelagert werden. „Doch selbst wenn dort die Endlagerung beginnt, werden in Eggenstein-Leopoldshafen noch mindestens 20 Jahre lang radioaktive Abfälle gelagert“, so Spelman-Kranich, deshalb wurden auch Bauanträge für Lager zur Aufbewahrung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen gestellt.

Auch in den Gemeinden rund um das Atomkraftwerk Philippsburg sorgt der geplante Rückbau und die ungeklärte Lagerproblematik derzeit für viel Unruhe, sagte Jürgen Schall von der Bürgerinitiative „Kein Zwischenlager in Philippsburg“. Nur wenn die Bürger frühzeitig mit einbezogen werden, könne die Suche nach Standorten für End- und Zwischenlager seiner Meinung nach gelingen. „Bislang herrscht bei diesen Prozessen eine Kultur des Misstrauens“, kritisiert Schwall, „und die zentralen Entscheidungen werden vor den öffentlichen Debatten in Stein gemeißelt“.

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | AUS DER REGION | 20.07.2015

 

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