Kotting-Uhl, MdB, Bundestag, Bündnis 90/Die Grünen, Karlsruhe

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Energiewende im Schwarzwald

Mit dem örtlichen Wahlkreiskandidaten Dietmar Lust war Sylvia Kotting-Uhl in Freudenstadt und Alpirsbach. Es war eine Energiewende-Projekte-Tour, die Dietmar Lust vorbereitet hatte. Vom Passiv-Energie-Haus über den Solarpark unter einem demnächst repowerten Windrad bis zum wieder instand gesetzten Wasserrad der „Hänslebauernsäge“: Pioniere der Energiewende im Schwarzwald. Kotting-Uhl zeigte sich begeistert: „Nur so kann die Energiewende funktionieren! Menschen machen sich auf den Weg und setzen ihren ganz persönlichen Teil der Energiewende, ihre ganz persönliche Vision um. Aufgabe der Politik ist, ihnen dabei die Steine aus dem Weg zu räumen.“ Dass die Energiewende ökologisch verträglich und im Einklang mit dem Naturschutz gehen muss, ist dabei für sie selbstverständlich.

PRESSEMITTEILUNG

Kreis Freudenstadt. Wie entwickelt sich die Energiewende seit dem Regierungswechsel in Stuttgart? Das Fazit der Grünen-Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl ist positiv: „Der Schwarzwald wird grün.“

Auf Einladung von Dietmar Lust, Bundestagskandidat des Bündnis 90/DIE GRÜNEN für den Wahlkreis Calw-Freudenstadt, war die Politikerin auf Rundtour durch den Landkreis, um sich anhand dreier Leuchtturmprojekte ein Bild von der Entwicklung der erneuerbaren Energien im Nordschwarzwald zu machen. Dort wird vielerorts Pionierarbeit geleistet, doch Dietmar Lust weiß auch um die Hürden, die bei solchen Projekten überwunden werden müssen. Für ihn ist deshalb wichtig, Austauschmöglichkeiten zu schaffen. „Die Erfahrungen müssen nach außen getragen und platziert werden.“ Und wie kann dies besser geschehen, als vor Ort im direkten Gespräch mit Beteiligten?

Architekt Stefan Niesner stellte anhand des Projekts „Phönix“ in Freudenstadt sein Wohnhaus vor, das dank einer naturnahen und ressourceneffizienten Bauweise ein Energieeinsparpotenzial von 30 Prozent verzeichnen kann. Die ökologischen Baumaterialien stammen weitestgehend aus der Region, die Wärme- und Energieversorgung erfolgt über ein eigenes Eisspeichersystem. Besonders beindruckt zeigte sich Sylvia Kotting-Uhl von der Formschönheit, die aus der Verbindung von Nachhaltigkeit und Ästhetik hervorgehen kann. „Bei den erneuerbaren Energien gibt es noch viele Konfliktfelder“, erklärte die Politikerin. Naturschutz, Landschaftsschutz, aber auch Widerstand aus der Gesellschaft. „Doch die Energiewende funktioniert nur mit den Menschen“, betonte Kotting-Uhl. „Man kann sie nicht zwingen.“

In Alpirsbach-Römlinsdorf ist der grüne Gedanke mittlerweile zu 100 Prozent angekommen – zumindest wenn es nach den Erfahrungen von Jürgen Bortloff geht. Der geschäftsführende Gesellschafter der Kommanditgesellschaft Windkraft Römlinsdorf stellte Sylvia Kotting-Uhl das Repowering-Projekt des alten Windrads vor, das nach 14 Jahren im Dienst erneuert wird. Die Anlage war seinerzeit die erste im Kreis. Widerstand aus der Bevölkerung hatte Bortloff mit seinem Projekt nicht erfahren. „Es gab im Gemeinde- und Ortschaftsrat immer einstimmige Beschlüsse, nie Scheindebatten.“ Anders sah es auf behördlicher Seite aus. Der Konflikt zwischen Naturschutz und Ökologie stellte das Projekt in Römlinsdorf vor große Herausforderungen. Aufwendige ornithologische Gutachten sollten den Vogelschutz sichern, immer wieder muss die Anlage abgestellt werden, obwohl die Anwesenheit bedrohter Arten gar nicht verifiziert ist. Kotting-Uhl nahm die Anliegen Bortloffs ernst, warb aber zugleich um Verständnis für manche Vorschrift: „Man hat hier eben auch schlechte Erfahrungen gemacht.“

Beeindruckt war die Politikerin, als Dietmar Lust sie über die Zweitverwertung der alten Windkraft-Anlage informierte. Nach Wissen von Jürgen Bortloff soll sie in Rumänien einen neuen Einsatzbereich finden. Rückbau und Abtransport sind dabei innerhalb eines Tages erledigt – „das ist was anderes, als wenn man ein Atomkraftwerk zurückbauen muss“, schmunzelte Kotting-Uhl.

Die Zukunft der energetischen Versorgung liegt für die Grünen-Politikerin in der Dezentralisierung. Langstrecken-Stromtrassen seien für Ballungsräume notwendig, räumte Kotting-Uhl ein. Doch sie ist überzeugt: „Der Süden kann sich selbst versorgen.“ Die Strecke, die in Römlinsdorf vom Windrad bis zu Einspeisung ins lokale Stromnetz zurückgelegt werden muss, beträgt gerade 60 Meter. Eine weitere Möglichkeit zur ortsnahen Energieversorgung präsentierte Dietmar Lust seiner Kollegin im Alpirsbacher Ortsteil Ehlenbogen. Im Rahmen einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts hat hier eine Gruppe von Bürgern das Wasserrad der historischen Hänslesbauernsäge wieder in Betrieb genommen. Die generierte Strommenge reicht zur Versorgung von 20 Haushalten, als zweites Standbein der Gesellschaft wurde außerdem das zugehörige Sägewerk der Mühle instand gesetzt. Auch hier waren es nicht gesellschaftliche Ressentiments, sondern Regulierungen aus Verwaltung und Naturschutz, die manchen Schritt erschwert hatten. Die Auflagen in Sachen Ökologie und Gewässerschutz seien für Kleinunternehmer sehr schwierig zu erfüllen und Zuschüsse oft nur mühsam zu bekommen, erklärte Sprecher Martin Engisch der Grünen-Politikerin. „Die Lobby für Kleinstwasserkraft ist bislang gleich Null“.

Kotting-Uhl war dankbar für den Input von der Basis und beeindruckt von der Begeisterung, mit welcher die Projekte trotz aller Herausforderungen angegangen werden. „Es sind alles Überzeugungstäter, ihnen verdanken wir die Erfolge in der Energiewende“, betonte die Politikerin. Wichtig sei nun, dass diese Menschen Unterstützung erfahren und noch bestehende Interessens-Konflikte bewältigt werden. „Denn wenn wir das nicht schaffen, können wir den Klimaschutz vergessen.“

Ansprechpartner für Rückfragen: Dietmar Lust, Telefon 07443/2409497