Erste AKW-Abschaltung in Frankreich: Noch kein Grund zur Freude

Zur Abschaltung des ersten Blocks des AKW Fessenheim erklärt Sylvia Kotting-Uhl, MdB:

Der erste Block vom AKW Fessenheim geht mit 42 Jahren endlich in den Ruhestand. Das ist eine gute Nachricht! Wenn sie auch sehr, sehr spät kommt und mehr der Unwirtschaftlichkeit des weiteren Betriebs mit notwendigen Nachrüstungen des Reaktors geschuldet sein mag als der tatsächlichen Einsicht in das Risiko, das von diesem ältesten Atomkraftwerk Europas mit seinen immensen Sicherheitsdefiziten seit Jahren ausgeht.

Die Zukunft des Standorts ist noch nicht geregelt. Bis mindestens 2023 wird Brennstoff vor Ort lagern und ein nuklearer Unfall ist damit nicht ausgeschlossen. Deshalb muss Fessenheim wie alle anderen französischen AKW trotzdem dringend mit einer modernen Notstromversorgung nachgerüstet werden. Die überlegte Umwandlung in einen AKW-Recyclinghof bringt mit langen Transportwegen quer durch Frankreich neue Risiken für die dortige Bevölkerung mit sich. Viel zu spät hat sich die französische Regierung um die Frage von Arbeitsplätzen für die strukturschwache Region Fessenheim gekümmert. Ganz im Gegenteil hat sie mit ihren ständigen Verschiebungen des Abschalttermins die dortige Bevölkerung im Glauben gelassen, Fessenheim laufe ewig.

Hinter der deutschen Forderungen entgegenkommenden Abschaltung von Block 1 in Fessenheim versteckt Frankreich allerdings seine Pläne zur Laufzeitverlängerung von 40 seiner Reaktoren auf bis zu 60 Jahre. Das Unfallrisiko in Europa wird damit immens erhöht. Hier warten wir immer noch auf klare Worte der Bundesregierung, zumindest was das ebenfalls von schweren Sicherheitsdefiziten geprägte AKW Cattenom betrifft, das direkt an der Grenze zu Deutschland liegt. Ein kleiner Schritt nach vorn und viele große zurück sind kein Grund zur Freude!

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