Kotting-Uhl, MdB, Bundestag, Bündnis 90/Die Grünen, Karlsruhe

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„Es kann wieder passieren“

Badische Neueste Nachrichten

Zeichen gegen das Vergessen – Gedenkveranstaltung am Platz der ehemaligen Synagoge erinnert an Opfer der Pogromnacht 1938

79 Jahre nach der Pogromnacht, bei der das nationalsozialistische Regime über 1 400 Synagogen zerstören ließ und die Diskriminierung von Juden in systematische Verfolgung und in den Holocaust umschlug, versammeln sich am Platz der ehemaligen Synagoge in der Kronenstraße rund 70 Menschen zum Gedenken. „Mit der Pogromnacht am 9. November 1938 begann die schrecklichste Zeit der deutschen Geschichte“, sagt Stadträtin Renate Rastätter in Vertretung von Oberbürgermeister Frank Mentrup. Sie freue sich, dass Karlsruher Schüler jedes Jahr an diesem Tag ein Zeichen gegen das Vergessen setzten. In diesem Jahr hat die Drais Gemeinschafts- und Realschule Ausstellungstafeln mit Informationen zu jüdischen Widerstandsgruppen erarbeitet. „Ich war selbst Geschichtslehrerin, ich weiß, dass dieses Thema oft unterbelichtet bleibt. Als die Maßnahmen gegen sie begannen, konnte niemand in der jüdischen Bevölkerung damit rechnen, dass die Gewalt später so massiv werden würde“, sagt Rastätter. Damals hätte es keine Solidarität in der Bevölkerung gegeben, umso erstaunlicher sei es, dass sich so viele Widerstandsgruppen gebildet hätten. „Gerade Karlsruhe als Stadt des Rechts ist verpflichtet, rassistischen und antidemokratischen Bewegungen entschieden entgegenzutreten“, erklärt die Grünen-Stadträtin und erinnert an die Großdemo gegen den „Tag der Deutschen Zukunft“ im Juni. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl mahnt: „Wir dürfen nicht vergessen, was passiert ist – aber auch nicht, was möglich ist. Es kann wieder passieren, dagegen hilft Bildung, Erziehung und Wachhalten der Erinnerung.“ Genau dies täten die Zehntklässler, die neben ihrer Ausstellung eine Mahnwache halten. Schließlich betet Kantor Pinchas von Piechowski das jüdische Totengebet und rezitiert das Kaddisch, eines der wichtigsten Gebete im Judentum. „Amen“, murmeln die Umstehenden. Es ist kalt, viele haben rote Nasen – und einige Tränen in den Augen.

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 10.11.2017 | Nina Setzler