Kotting-Uhl, MdB, Bundestag, Bündnis 90/Die Grünen, Karlsruhe

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Evangelium ist kein Parteiprogramm

Badische Neueste Nachrichten

Podiumsdiskussion der Kirchen zur Bundestagswahl

sl. „Schwerter zu Pflugscharen“, ruft irgendwann einer in den Saal. Ganz offensichtlich sind ihm die Aussagen der Kandidaten zu deutschen Rüstungsexporten nicht eindeutig genug. Es ist das einzige Mal, dass an diesem Abend ein Bibelzitat fällt. Das ist durchaus bemerkenswert, denn schließlich sind es die Kirchen, die zu dieser Podiumsdiskussion im Vorfeld der Bundestagswahl eingeladen haben. Genauer gesagt: die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) in Karlsruhe, die evangelischen und katholischen Arbeitnehmerverbände sowie Bildungseinrichtungen.

Gut 100 Frauen und Männer sind in den Stephanssaal gekommen, um die Argumente von Karin Binder (Die Linke), Sylvia Kotting-Uhl (Bündnis 90 / Die Grünen), Parsa Marvi (SPD) und Ingo Wellenreuther (CDU) zu hören. Angeschrieben habe man die Kandidaten aller derzeit im Bundestag vertretenen Parteien erläuterte Tobias Licht, Leiter des katholischen Bildungszentrums und einer der beiden Moderatoren, die Zusammensetzung des Podiums. Einer der Kandidaten habe auf die Einladung nicht geantwortet, so Licht. Gemeint war damit – unausgesprochen – Heinz Golombeck, der für die FDP antritt. Seine Partei hat ihn auf Platz 27 der Landesliste gesetzt, der nur bei einem erdrutschartigen Stimmenzugewinn der FDP zum Einzug in den Bundestag führen wird.

„Das Evangelium ist kein Parteipro-gramm“, stellte Licht einleitend klar. Dennoch ließen sich aus dem christlichen Glauben bestimmte Prinzipien ableiten, an denen sich das konkrete politische Handeln zu orientieren habe. Dies sei etwa das Ideal der sozialen Gerechtigkeit. Bei diesem Thema setzten die beiden Moderatoren – neben Licht war dies Günther Frank, Direktor der Europäischen Melanchthon Akademie Bretten – einen Schwerpunkt des Podiumsgesprächs.

Bereits die Einschätzung der Verhältnisse offenbarte Unterschiede. Naturgemäß fiel das Urteil von Wellenreuther als Mitglied einer Regierungspartei deutlich positiver aus. „Den meisten Menschen in Deutschland geht es gut“, erklärte er. Trotz Weltwirtschaft- und Staatsschuldenkrise stehe das Land „hervorragend“ da. Marvi dagegen warnte davor, angesichts guter wirtschaftlicher Entwicklung „über viele Gerechtigkeitsprobleme hinwegzuschauen“. Auch Kotting-Uhl sagte, sie nehme ein beunruhigendes Maß an Ungerechtigkeit in Deutschland wahr. Binder klagte: „Wir haben Hungerlöhne in ganz vielen Bereichen.“ Moderator Licht wies darauf hin, dass die kirchlichen Sozialver-bände die Lage ebenfalls eher als bedrohlich wahrnehmen würden. So habe etwa die Caritas wiederholt angeprangert, dass die Schere zwischen Arm und Reich auseinandergehe.

Die unterschiedlichen Wege zu mehr sozialer Gerechtigkeit waren dem politisch interessierten Zuhörer bereits bekannt. Da sprachen sich die einen beispielsweise für einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn aus (Binder, Marvi, Kotting-Uhl). Wellenreuther dagegen will solche Vereinbarungen den jeweiligen Tarifparteien überlassen.

Steuerpolitik, Auslandseinsätze der Bundeswehr, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften – die Runde sprach viele aktuelle Themen an. Und ganz am Schluss kamen auch noch einmal die Kirchen selbst ins Spiel, als es um deren Verhältnis zum Staat ging. Bei diesem Punkt sorgte allein Binder für ein Rumoren im Saal – als sie forderte, die Kirchensteuer künftig nicht mehr durch den Staat einzuziehen.

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 12.07.2013


 

der Link zu dem Bericht von Baden TV