Fünf Jahre Fukushima – Japan verteidigt Atomkraft trotz GAU

Badische Neueste Nachrichten

Tokio/Karlsruhe (ctö/AFP). Trotz des Atomunglücks von Fukushima vor fünf Jahren will Japans Ministerpräsident Shinzo Abe auch künftig an der Nuklearenergie festhalten. „Unser ressourcenarmes Land kann nicht ohne Atomkraft auskommen, um die Stabilität der Energieversorgung sicherzustellen,“, sagte Abe gestern. Zugleich müssten „das ökonomisch Sinnvolle“ sowie die Frage des Klimawandels beachtet werden.

Der GAU von Fukushima ist nach den Worten von Sylvia Kotting-Uhl noch immer nicht bewältigt. „Und es ist fraglich, ob er jemals bewältigt werden kann“, sagte die atompolitische Sprecherin der Grünen und Karlsruher Abgeordnete. „Die radioaktive Strahlung verseucht weiterhin die Umwelt.“ …

Fehlende Normalität

Die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, war mehrfach in Fukushima. Normalität sei dort noch nicht eingekehrt, so die Karlsruher Abgeordnete.

Welche Eindrücke haben Sie aus Fukushima mitgenommen?

Kotting-Uhl: Japan bemüht sich nach Kräften um „Normalität“. In der Sperrzone wird dekontaminiert, auf der GAU-Anlage Fukushima Daichi saniert, stabilisiert, das ständig benötigte anschließend kontaminierte Kühlwasser in riesigen Tanks gelagert. Aber nach drei Kernschmelzen gibt es auf lange Zeit keine Normalität – nicht für die evakuierten Menschen, die in die dekontaminiert genannte „grüne Zone“ zurückgesiedelt werden sollen, aber nicht wollen; nicht für die Bauern und Fischer der Präfektur Fukushima, die ihre Produkte nicht mehr verkaufen können; nicht für die Kinder, deren Schilddrüsen sich aufgrund der Strahlung verändern.

Wie ist der Stand der Dinge bei der Suche nach einem Endlager-Standort in Deutschland?

Kotting-Uhl: Die „Endlager-Kommission“, in der ich die Grünen im Bund vertrete, wird in den nächsten Wochen ihren Abschlussbericht vorlegen. Wir werden ein Verfahren vorschlagen, das ausschließlich sicherheitsorientiert in vergleichenden Schritten den bestgeeigneten Standort in Deutschland für hoch radioaktiven Müll sucht. Höchste Ansprüche an Transparenz und frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung sollen erfüllt werden. Das Suchverfahren soll bald beginnen, um nachfolgende Generationen sowenig wie möglich zu belasten. Schlimm genug, dass der Atommüll, den zweieinhalb Generationen produziert haben, 30 000 Generationen lang strahlt. Streit herrscht darüber, wer die Entsorgung bezahlt, da die Energieversorgungsunternehmen derzeit versuchen ihre finanzielle Verantwortung mindestens teilweise auf die Steuerzahler abzuschieben.

Und wie sieht es im Atommüll-Lager WAK in Karlsruhe aus?

Kotting-Uhl: Dort lagert ein riesiger Teil des schwach- und mittelradioaktiven Atommüllbergs. Zum Teil schon sehr lange, der Zustand der Fässer und allein schon die Menge sind eine Herausforderung. Wirkliche Sicherheit gibt es erst mit dem Abtransport. Der kann umso zügiger beginnen, je schneller der Bund klärt, ob das für schwach- und mittelradioaktiven Müll bereits genehmigte Endlager Konrad dem verlangten Stand von Wissenschaft und Technik entspricht. Gerade ich als Karlsruher Abgeordnete habe ein hohes Interesse daran, dass das umgehend passiert. Text/Foto: ctö/dpa

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | 11.03.2016

 

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