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Für Töpfer geht es um Glaubwürdigkeit und Transparenz

Badische Neueste Nachrichten

Für Töpfer geht es um Glaubwürdigkeit und Transparenz. Der Ex-Bundesumweltminister informierte bei den Atomtagen über die Endlagersuche für hoch radioaktiven Müll.
Bis zum Jahr 2031 soll Standort gefunden sein

Karlsruhe. Bei der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Müll in Deutschland müsse verlorenes Vertrauen der Bevölkerung zurückgewonnen werden. Das sagte der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) als Vorsitzender des Nationalen Begleitgremiums (NBG) beim Abschluss der Karlsruher Atomtagen.

„Die Endlagersuche soll im Herbst beginnen“ erklärte Sylvia Kotting-Uhl, Atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag und Initiatorin der Karlsruher Atomtage. Aufgabe des NBG sei es, diese Suche zu begleiten und Vertrauen in der Bevölkerung für dieses Verfahren zurückzugewinnen. „Dafür braucht es die Töpfers dieser Welt“ so die Grünen-Politikerin über das CDU-Mitglied. Töpfer lobte, dass es eine parteiübergreifende Entscheidung gewesen sei, das Gremium einzurichten und mit Kompetenzen auszustatten: „Wir sind Ansprechpartner für die Bürger und können zum Beispiel Akteneinsicht beantragen, zehn Mitarbeiter einstellen und Infobüros einrichten.“ Das Thema habe bei vielen Verbitterung ausgelöst, daher müsse eine breite demokratische Willensbildung vertrauensvoll stattfinden, betonte er mit Blick auf Gorleben, wo bei der Suche nach einem Endlager die Atmosphäre früh vergiftet worden sei. Deshalb sei ein wissenschaftlich abgesichertes Konzept notwendig sowie Glaubwürdigkeit und Transparenz. Den Export des Atommülls schloss Töpfer aus, der Bundestag habe im Standortauswahlgesetz festgelegt, dass Nachteile niemand anderem zugeschoben werden, „das ist ganz zentral“.

Dem NBG gehören derzeit neun Mitglieder an, im kommenden Jahr sollen es 18 sein. Neben Experten wurden drei von ihnen durch ein Zufallsverfahren ausgewählt. „Diese Menschen fragen ganz anders“ erklärte Töpfer, dem es wichtig ist, alle Teile der Gesellschaft in die Endlagersuche mit einzubeziehen. Notwendig sei es außerdem, die Abfälle so unterzubringen, dass sie zurückgeholt werden können. „Damit neue Techniken angewandt werden können“ sagt Töpfer im BNN-Gespräch. Er meint damit mögliche neue Verfahren, mit denen die bis zu 24 000 Jahren währende Halbwertszeit der Abfälle verringert oder die Gefahr, die von ihnen ausgeht, minimiert werden kann. „Asse darf nicht mehr passieren“ fuhr er mit Blick auf die ehemalige Schachtanlage bei Wolfenbüttel fort, wo Fässer mit radioaktivem Abfall teilweise einfach abgekippt wurden und als eine Folge davon die Zahl der Sterbefälle durch Leukämie in der Region zwischen 2002 und 2008 offenbar zugenommen hatte. Bis zum Jahr 2031 soll der Endlagerstandort gefunden sein. Zeitdruck dürfe dabei nicht wieder zu einem Vertrauensverlust führen.

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | SÜDWESTECHO | 10.07.2017/ Von unserem Mitarbeiter Ulrich Philipp

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