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Fukushima: Sechs Jahre nach der Katastrophe

Nach wie vor ist die Situation in Fukushima bedrohlich und die großen Aufgaben bei weitem nicht bewältigt. Es ist fraglich, ob man die Folgen der dreifachen Kernschmelze überhaupt jemals bewältigen können wird.

Ungelöste Probleme

Der geschmolzene und verfestigte Kernbrennstoff aus den Reaktoren 1 bis 3 ist immer noch nicht lokalisiert. Der Betreiber muss sie deswegen dauerhaft kühlen, was zu riesigen Mengen kontaminierten Wassers führt, das auf dem Gelände gelagert wird. Der Platz ist begrenzt und das Wasser kann nicht von allen radioaktiven Stoffen befreit werden. Schon jetzt ist immer wieder kontaminiertes Wasser in den Pazifik gelangt.

Im Februar dieses Jahres wurde die höchste radioaktive Strahlung seit dem Unfall gemessen: 650 Sievert pro Stunde. Für den Menschen endet bereits eine Dosis ab 50 Sievert pro Stunde nach kürzester Zeit tödlich. Spezielle Säuberungsroboter, die in den zerstörten Reaktoren Wege für Erkundungsmissionen frei räumen sollen, versagen schon nach zwei Stunden wegen der hohen Strahlung ihren Dienst.

Auch die 1,5 km lange und 30 m tiefe Eisbarriere um die Reaktorblöcke ist nicht einsatzbereit. Die offiziell als „undurchdringliche Wand auf der Landseite“ be-zeichnete Barriere ist nicht völlig gefroren. Weiterhin kann Grundwasser eindrin-gen und radioaktiv verseuchtes Wasser aus der Anlage sickern. Allein für diesen Bau wurden 308 Millionen Euro ausgegeben. Insgesamt haben sich nach derzeitigen Schätzungen die Kosten für Entschädigungen und den Rückbau verdoppelt und liegen bei rund 108 Milliarden Euro.

Blick über die Grenze

Ein Super-GAU ist jederzeit und überall möglich. Auch in Deutschland und seinen Nachbarstaaten besteht das Risiko bis zum Abschalten der letzten Atomkraftwerke.

Direkt an den deutschen Grenzen stehen alte und marode Atomkraftwerke. Mehre-re der grenznahen AKW sind in einem miserablen Zustand. Im lothringischen AKW Cattenom herrschen zahlreiche Mängel: Es ist ungenügend gegen Überflutung und Erdbeben geschützt. Mit Fessenheim steht im Elsass nicht nur das älteste Atomkraftwerk Frankreichs, sondern auch ein besonders störanfälliges. Das Pannen-AKW liegt einen Kilometer von der deutschen Grenze entfernt und auch hier: un-zureichender Schutz gegen Erdbeben oder Überschwemmungen. In einem ausgewiesenen Erdbebengebiet ist diese Risikotechnologie eine tickende Zeitbombe. 2012 wurden in den belgischen Atomkraftwerken Doel 3 und Tihange 2 zahlreiche Risse im Grundmaterial der geschmiedeten Reaktordruckbehälter (RDB) festgestellt. Drei Jahre nach diesen Befunden wurden ähnliche Materialschäden auch im dienstältesten AKW der Welt gefunden: Das Schweizer AKW Beznau liegt acht Kilo-meter hinter der deutschen Grenze. Der RDB ist das Herzstück eines Reaktors. Hier findet die nukleare Kettenreaktion statt. Risse im Reaktordruckbehälter sind ein massives Sicherheitsproblem. Doch die Bundesregierung verweist in allen Anfragen auf die Souveränität der Nachbarstaaten. Dabei birgt der Betrieb dieser unsicheren AKW nicht nur für die Menschen in den jeweiligen Ländern unbeherrschbare Risiken, sondern auch für uns in Deutschland. Die Wolke macht nicht an der Grenze halt! Nur wenn diese Risiko-AKW umgehend abgeschaltet werden, kann die Bevölkerung hier wie dort vor möglichen Gefahren schützen.

Der Atomausstieg muss europäisch werden!

Viele Atomkraftbefürworter kritisieren den deutschen Atomausstieg als Sonderweg. Auf den ersten Blick mag das richtig erscheinen. Vergessen wird häufig, dass 12 Länder der Europäischen Union erst gar nicht in die kommerzielle Nutzung der Atomkraft eingestiegen sind. Zudem sprach sich eine breite Mehrheit der Bevölkerung in Italien und Litauen 2011 bzw. 2012 gegen einen Wiedereinstieg in die Atomkraft aus. Und selbst bei unseren Nachbarn Belgien und Schweiz, in denen jetzt noch gefährliche und alte Reaktoren laufen, gibt es Ausstiegsbeschlüsse. Auch wenn viele Kräfte in der Europäischen Union versuchen, eine Atom-Renaissance zu beschwören: So einfach machen wir es ihnen nicht. Umso wichtiger ist es, dass sich die nächste Bundesregierung auf bilateraler, europäischer und internationaler Ebene endlich vehement dafür einsetzt, dass gefährliche Meiler vom Netz genommen werden, Neubauten nicht mit wettbewerbsverzerrenden Subventionen durch-geboxt werden und Nachbarstaaten grundlegend mehr Mitsprache bei den Sicherheitsanforderungen von grenznahen Atomkraftwerken bekommen.

Infos zum Thema in der Faktensammlung Fukushima

Die Antwort der Bundesregierung auf meine kleine Anfrage „Aktuelle Entwicklungen am Atomstandort Fukushima“ Bundestag Drucksache 18/11489

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