„Gegenargument Flaute“ wird entkräftet

Badische Neueste Nachrichten
Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl besucht das Fraunhofer-Institut in Pfinztal
Von unserem Mitarbeiter Klaus Müller
Pfinztal. Politiker aus so gut wie allen Parteien der jeweiligen Parlamente besuchten in den vergangenen Monaten das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) Berghausen, um sich dort über die Energiespeichertechnologie Redox-Flow-Batterien zu informieren. Alle, und das parteiübergreifend, zeigten sich angetan von dem Vorhaben, Energie in großen Mengen zu speichern. Nicht anders erging es gestern Sylvia Kotting-Uhl, Sprecherin für Atompolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, bei ihrem Besuch auf dem ICT-Campus. Ihre Zustimmung für das Forschungskonzept bündelte sich in der als Aussage verstandenen Frage: “Das klingt alles sehr logisch. Warum ist niemand schon früher auf die Idee gekommen?”
Die Technik der Redox-Flow-Batterien, erläuterte Institutsleiter Professor Peter Elsner, sei im Grunde nicht neu. Neu hingegen ist das Gesamtpaket, bestehend aus Windkraftanlage und Speicher. Dafür, so Elsner weiter, werde auf dem ICT-Gelände ein Windrad gebaut. Es geht schlussendlich darum, durch Wind erzeugten Strom in großen Mengen zu speichern, um ihn nach Bedarf dann abrufen zu können. Als Speicherquelle dienen eben die Redox-Flow-Batterien. Dadurch könne man beispielsweise Windflauten ausgleichen, indem auf die gespeicherte Energie zurückgegriffen werde. Das wiederum, befand in diesem Zusammenhang die Bundespolitikerin, würde die bisherige “große Argumentation gegen Windenergie (Windflauten)” entkräften.
Forschungen in dieser Richtung habe es schon gegeben, bemerkte Jens Tübke, Leiter angewandte Elektrochemie am ICT. Was im Labor noch funktionierte, erwies sich aber nicht als alltagstauglich. Das ICT will nun das Gesamtpaket “Windenergie und Energiespeicherung” betriebs- und umweltsicher zur praktischen (Produktions-)Anwendung führen. Elsner sprach von einer “Systementwicklung” – und, sofern es funktioniert, von einem damit verbundenen “Paradigmenwechsel”. Das System garantiere ein hohes Maß an Flexibilität. Mit drei Windrädern und den dazugehörigen Speichern könnte beispielsweise eine Gemeinde wie Pfinztal dezentral mit Energie versorgt werden. Das Forschungsprojekt kostet rund 19 Millionen Euro. Acht Millionen Euro hat das Land bereits bewilligt.
Bleibt die Frage nach Bundesmitteln in gleicher Höhe? Allemal vorstellbar ist das für Kotting-Uhl, die das Vorhaben im Forschungsausschuss des Bundestages zur Sprache bringen möchte. Im Gegensatz zu solchen Forschungsprojekten, forderte die grüne Politikerin, dürfe der Bund keinesfalls Forschungsgelder mehr in die Erforschung von Technologien stecken, die den Wiedereinstieg in die Atomenergie bedeuten könnten. Als eine “indirekte Forschung” in dieser Hinsicht versteht sie die geplante Erweiterung des Institutes für Transurane (wir berichteten). Dort sei Sicherheitsforschung über etwas vorgesehen, das es noch gar nicht gebe, es dadurch aber irgendwann geben könnte – Stichwort: Atomkraftwerke der vierten Generation.

Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl besucht das Fraunhofer-Institut in Pfinztal

ÜBERBLICK: Die grüne Bundespolitikerin Sylvia Kotting-Uhl (Mitte) informierte sich im ICT Berghausen bei Jens Tübke und Peter Elsner (von rechts) über Windkraft und Energiespeicher. Ihr Besuch führte sie auch auf das Dach der Einrichtung. Der spürbare Wind war ein wichtiger Gesprächspunkt. – Foto: Müller

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