Geologe bestätigt: Gorleben hätte die Rote Karte bekommen müssen!

Kurzbericht Untersuchungsausschuss Gorlebe

Der Untersuchungsausschuss hörte am 24. Mai 2012 den Zeugen Jürgen Kreusch, geladen von der Opposition.

Der Zeuge

Jürgen Kreusch studierte Geologie mit dem Schwerpunkt der Ingenieur- und Hydrogeologie in Marburg und Hannover. Er ist als Berater und Gutachter bei der Gruppe Ökologie e. V. und der intac GmbH in Hannover tätig und erstellte unter anderem für Greenpeace und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Gutachten. Dabei liegt sein Themenschwerpunkt bei der Deponierung chemisch-toxischer und radioaktiver Abfälle. Zwischen 1999 und 2002 war er Mitglied des Arbeitskreises “Auswahlverfahren Endlagerstandorte”. Er berät als Experte die “Begleitgruppe Asse II” und ist Mitglied der Arbeitsgruppe “Optionenvergleich Rückholung” Am 10. Juni 2011 war Jürgen Kreusch bereits als Sachverständiger vor dem Untersuchungsausschuss Gorleben.
Jürgen Kreusch im PUA

Mehrbarrierensystem bei Gorleben notwendig gewesen

Jürgen Kreusch sagte vor dem Untersuchungsausschuss aus, es sei nicht nur in Deutschland anerkannter Stand der Wissenschaft gewesen, dass bei einer sicheren Einlagerung von atomaren Abfällen in einem Salzstock ein Mehrbarrierensystem benötigt werde. Dazu gehöre auch ein intaktes Deckgebirge. In Gorleben wurde bei den übertägigen Erkundungen allerding heraus gefunden, dass das Deckgebirge nicht den Maßstäben entsprach, die man brauchte. Dies führte dann dazu, dass die Sicherheitskriterien für den Salzstock Gorleben so formuliert wurden, als sei auch eine Barriere ausreichend. Gegen eine solche Aussage habe er sich bereits damals vehement gesträubt, so der Zeuge. Man habe im Lauf der Zeit sehen können, wie für Gorleben die Konzentration auf die alleinige Barriere “Salzstock” immer stärker forciert worden sei. Dass es plötzlich hieß, eine Barriere könne im Zweifelsfall auch genügen, empfand der Zeuge unter den Umständen in Gorleben als falsch.

Gorleben hätte eindeutig die Rote Karte bekommen

Auch in der heutigen Sitzung wurden die Ergebnisse der BGR-Studie “Endlagerung stark wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle in tiefen geologischen Formationen Deutschlands – Untersuchung und Bewertung von Salzformationen” erneut thematisiert. Dabei wurde Jürgen Kreusch die Aussage von Dr. Paul Krull vorgelegt, dass Gorleben bei Anwendung der von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) entwickelten Kriterien von ihm nur eine gelbe Bewertung bekommen würde (Bewertungsschema der untersuchten Salzstrukturen: rot: entspricht nicht den Vorgaben, gelb: entspricht annähernd den Vorgaben, grün: entspricht den Vorgaben). Nachdem sich der heutige Zeuge die entsprechenden Ergebnistabellen der Studie genauer angeschaut hatte, bestätigte er hingegen die Annahme der Grünen Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl und Dorothea Steiner, dass Gorleben bei einem Vergleich eindeutig eine rote Bewertung bekommen würde, weil nachweislich keine vollständige Überdeckung des Salzstocks durch Unterkreide, Oberkreide, Alttertiär und Jungtertiär vorliegt.

Einschränkung der Erkundung auf den Nordosten des Salzstocks

Auch zur Erkundungseinschränkung auf den nordöstlichen Teil des Salzstocks Gorleben und der damit verbundenen Aussagekraft über den gesamten Salzstock wurde Jürgen Kreusch in der heutigen Sitzung befragt. In einer Stellungnahme an das Bundesumweltministerium am 23. Januar 1997 hatte der damalige Abteilungsleiter im BfS Bruno Thomauske behauptet, dass die alleinige Erkundung des Nordostens ausreiche und auch eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den gesamten Salzstock gewährleistet sei. Der Geologe Jürgen Kreusch meinte daraufhin, dass ein Salzstock eine sehr komplexe Struktur habe und es eben nicht möglich sei, Gorleben als Ganzes in seiner Eignung zu bewerten, wenn man ausschließlich das nordöstliche Drittel untersuche. Man muss den Salzstock in Gänze untersuchen, wenn man eine Gesamtbewertung abgegeben will, so der Zeuge. Der deutlichen Kritik von der damaligen bergbaufachlichen Person Gert Wosnik im BfS, dass er das Schreiben von Thomauske in der vorliegenden Form nicht mitgezeichnet hätte, stimmte Jürgen Kreusch vollkommen zu.

Nächster Sitzungstermin

Die nächste Sitzung des Untersuchungsausschusses findet am 14. Juni 2012 statt, als Zeuge wird der ehemalige Präsident des BfS Prof. Dr. Alexander Kaul gehört. Die Sitzung ist öffentlich, eine Anmeldung ist erforderlich.

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