Gorleben: Empörung nicht nachvollziehbar

Leserbrief

Betrifft: Artikel “Poggendorf: Falsch, verzerrt, irreführend” (EJZ vom 29. Dezember) Herr Poggendorf verkennt die Funktion unserer “Kurzberichte” aus dem Untersuchungsausschuss. Sie erheben nicht den Anspruch, ein Protokoll zu sein.

Um mit zwei Seiten auszukommen, beschränken wir uns notwendigerweise auf das uns am wichtigsten Erscheinende. Das bedeutet keineswegs, dass wir nur hören, was wir hören wollen, sondern dass wir nur berichten, was uns berichtenswert erscheint.

Poggendorfs Empörung über unseren Satz “Er vertritt die Meinung, dass die Auswahl von Gorleben als Standort völlig transparent und nach rein wissenschaftlichen Kriterien erfolgte” ist mir nicht nachvollziehbar. Ist er denn anderer Meinung? Wenn das so ist, werde ich das sofort erfreut auf meiner Internet-Seite veröffentlichen und Herrn Poggendorf im Kreis der Kritiker des Auswahlprozesses begrüßen. Ansonsten habe ich Herrn Poggendorf aufgefordert, im Protokoll der Ausschusssitzung seine Ausführungen zu kontrollieren. Es lässt sich leicht feststellen, dass wir zu Recht seine diversen Äußerungen in diesem Satz zusammengefasst haben. Dass er im Ausschuss gesagt habe, er könne “als Jurist sich über die wissenschaftlichen Kriterien kein abschließendes Urteil” bilden, findet sich nicht im Wortprotokoll.
Mit dem Abgeordneten Pols streite ich mich nicht darüber, wer aufgrund der Ergebnisse des Untersuchungsausschusses verzweifelt sein muss. Das beharrliche Negieren der aufgeklärten Fakten wird ihm und seinen Fraktionskollegen am Ende aber nicht weiterhelfen. Er sollte als Abgeordneter allerdings den Unterschied zwischen einer Pressemitteilung und einem Bericht auf der Homepage kennen. Zu der Zeugen-Vernehmung Poggendorfs gab es keine Pressemitteilung von mir.

Zu seinen Auslassungen über “die schäbige Art und Weise, mit der Frau Kotting-Uhl versucht, den Zeugen Poggendorf in seiner Glaubwürdigkeit zu beschädigen,” gebe ich Herrn Pols einen kollegialen Rat: Jemand, der gerade eine Unterlassungserklärung wegen ehrabschneidender Behauptungen unterschrieben hat (nach Abmahnung von Dr. Kleemann), sollte gegenüber jemandem wie mir, die da völlig unbescholten ist, etwas vorsichtiger sein. Sonst könnte die nächste Abmahnung ins Haus stehen.

Sylvia Kotting-Uhl, Berlin,
Obfrau im 1. Parlamentarischen Untersuchungsausschusses der 17. Wahlperiode (Gorleben), Bündnis 90/Die Grünen

Artikel »Poggendorf: Falsch, verzerrt, irreführend» (EJZ vom 29. Dezember 2011)

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