Große Politik in 20 Sekunden

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Podiumsdiskussion mit mehreren Bundestagskandidaten am Fichte-Gymnasium

Von diesen beiden Schülern können sich sogar professionelle Talk-Show-Moderatoren noch eine Scheibe abschneiden: Lediglich 20 Sekunden Zeit geben Adrian Burg und Nicolas Lang den Teilnehmern einer Podiumsdiskussion für deren grundlegenden Thesen zu großen politischen Themen wie Sicherheit, Migration, Klimawandel oder soziale Gerechtigkeit. Selbst erfahrene Politiker wie die Grünen-Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl oder der FDP-Europaabgeordnete Michael Theurer lassen sich dabei von den beiden Zehntklässlern des Fichte-Gymnasiums am Ende ihrer Redezeit freundlich das Wort abschneiden und beschränken sich bei ihren Ausführungen aus das Beantworten von Fragen.

Außer den beiden Bundestagskandidaten Kotting-Uhl und Theurer sitzen noch der Karlsruher SPD-Bundestagskandidat Parsa Marvi, der Böblinger AfD-Bundestagskandidat Markus Frohnmaier sowie für die CDU der Kreisverbands-Geschäftsführer Nicolas Zippelius und für die Linken Lukas Bimmerle vom Karlsruher Kreisvorstand auf dem Podium. Und trotz der teilweise komplett unterschiedlichen Ansichten haben Burg und Lang auch die Themendiskussionen jederzeit im Griff und konfrontieren die Diskutanten immer wieder mit kontroversen Aussagen ihrer Spitzenpolitiker. „Beim direkten Gespräch mit den Politikern erfährt man mehr über ihre Inhalte als aus dem Fernsehen, und deshalb ist das unser Beitrag zur politischen Meinungsbildung“, nennen Burg und Lang den Grund für die ehrenamtlich organisierte Diskussionsrunde gestern Vormittag in der Mensa des Fichte-Gymnasiums.

Allzu sehr aus der Reserve locken lassen sich die Politprofis von den direkten Fragen der beiden Diskussionsleiter allerdings nicht. Zur Erhöhung der sozialen Gerechtigkeit fordert Bimmerle eine Vermögenssteuer und die Erhöhung des Mindestlohns, Kotting-Uhl mehr Steuern für Superreiche und eine Prüfung des bedingungslosen Grundeinkommens, Marvi bessere Bildungsförderung für die Unterschicht, Theurer eine Steuersenkung sowie mehr Anreize für Unternehmen und Zippelius mehr zielgerichtete Maßnahmen zur Stärkung des Arbeitsmarkts zum Erreichen der von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Wahlkampf versprochenen Vollbeschäftigung. Kein gutes Haar lassen die Vertreter der fünf im Bundestag vertretenen Parteien an der von Frohnmaier ins Spiel gebrachten Abschaffung des Mindestlohns.

Und auch bei seinen Forderungen nach einem temporären Aufenthaltsrecht für Flüchtlinge sowie schnelleren Strafverfahren bei Sexualdelikten wird der Sprecher von AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel unter dem Applaus der gut 100 Fichte-Schüler in der voll besetzten Mensa von seinen Mit-Diskutanten scharf angegangen.

Für seine offen gehegten Zweifel am Einfluss der Menschheit auf dem Klimawandel erntet Frohnmaier aus den Zuschauerreihen sogar spöttisches Gelächter und von den Lehrkräften ungläubiges Kopfschütteln. Vollkommen neue Ansätze zur Lösung der Probleme können aber auch die Vertreter der etablierten Parteien nicht bieten. Theurer fordert für den Kampf gegen den Klimawandel wie bereits beim FDP-Landesparteitag vor einer Woche in Karlsruhe die Stärkung von innovativen Unternehmen mit nachhaltigen Konzepten, Zippelius die Fortschreibung der CDU-Linie für die Energiewende, Marvi einen schnellen Kohleausstieg, Kotting-Uhl eine strikte Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und Bimmerle einen schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien sowie ein Dieselfahrverbot ab dem Jahr 2030.

Prinzipielle Einigkeit herrscht im Podium zumindest, dass nach den Ausschreitungen während des G-20-Gipfels in Hamburg sämtliche Formen des Extremismus scharf bekämpft werden sollten. Doch auch beim Streit um die Definition von Linksextremismus bringen die Diskussionsteilnehmer nur die bekannten Ansichten ihrer Parteien zu Tage. Ekart Kinkel

Quelle Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 18.07.2017

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