Interview der Deutschen Welle zur Ukraine

1. Was meinen Sie, wie gefährlich die Situation in Tschernobyl ist?
Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin: “Das verschlimmert die Situation in Tschernobyl für den Moment. Radioaktive Partikel aus der Sperrzone können durch Feuer und Wind aus der Sperrzone hinaus getragen werden. Dann besteht erneut die Gefahr, dass sie eingeatmet werden oder bislang unbelastetes Gelände kontaminieren.”

2. Was können die Leute in der Ukraine erwarten?
Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin: “Da es nicht die zum ersten Mal in der Nähe von Tschernobyl brennt, hoffe ich, dass die ukrainischen Einsatzkräfte wissen, was in dieser speziellen Situation zu tun ist, in der es nicht nur einen Waldbrand gibt, sondern auch eine radiologische Gefahr. Wenn Unterstützung nötig ist, soll die ukrainische Regierung bitte Deutschland kontaktieren.”
3. Was meinen Sie, was die ukrainische Regierung zuallererst machen muss?
Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin: “Neben der Waldbrandbekämpfung müssen außerhalb der Sperrzone Messungen stattfinden und die Menschen informiert werden. Auch hier gilt: Bei Bedarf Hilfe aus Deutschland oder der EU anfordern.”
4. Welche Effekte können die Brände bei Tschernobyl für Deutschland haben?
Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin: “Vor einem Jahr hat mir die deutsche Regierung auf eine Anfrage geantwortet, dass sie bei so einem Brand in der Nähe von Tschernobyl keine radiologischen Konsequenzen für Deutschland erwartet, weil die radioaktiven Partikel nicht hoch genug in die Atmosphäre geschleudert werden, dass der Wind sie bis nach Deutschland trägt. Ein Risiko sehe ich aber darin, dass durch die Brände Lebensmittel kontaminiert werden könnten, die anschließend irgendwo in der Welt auf dem Teller landen. Vielleicht auch in Deutschland. Die Lebensmittelwirtschaft ist ja international.”
5. Können gleiche Brände in Deutschland auftreten?
Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin: “Waldbrände großen Ausmaßes gab es in Deutschland seit vielen Jahren nicht. Wir haben auch keinen Boden, der vergleichbar kontaminiert ist wie die Zone um Tschernobyl. Brände mit einem vergleichbaren Risiko kann es von daher für Deutschland nicht geben. Aber es gibt andere naturbedingte Atom-Gefahren auch für Deutschland, zum Beispiel durch Überflutungen. Überall wo es Atomkraftwerke gibt, gibt es zu viel Risiko für Unfälle. Deshalb ist die einzige wirklich zuverlässige Maßnahme der Atomausstieg. Überall.”

zum Interview auf russisch

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://kotting-uhl.de/site/interview-der-deutschen-welle-zur-ukraine/