Interview Zeitung Hankyoreh Shinmun (Korea)

Interview im Original..

Übersetzung des Interviews der Zeitung Hankyoreh Shinmun mit Frau Kotting-Uhl MdB aus dem Koreanischen
Persönlichkeit im Fokus – “starkes Engagement gegen Atomkraft mit sensiblem weiblichen Gespür für Gefahren”
Ganzer Einsatz für die Umweltbewegung nach dem Vorfall von Tschernobyl
Alternative Energien in Deutschland im Aufschwung
“Atomausstieg bis 2022 steht fest”
Sylvia Kotting-Uhl, Atompolitische Sprecherin der Grünen in Deutschland
“Im Deutschen Bundestag gibt es keine Partei, die gegen den Atomausstieg ist. Selbst die CDU und die FDP, die in der Vergangenheit gegen die Abschaffung der Kernenergie waren, stimmen dem nun zu. Es wird keine Unterbrechungen auf dem Weg zum Atomausstieg geben.”
Die Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl (60) nahm an der vom Organisationskomitee der Northeast Asia Women’s Peace Conference und der Hankyoreh Media Group in der Women’s Plaza im Seouler Stadtteil Daebang-dong veranstalteten ‘Northeast Asia Women’s Peace Conference 2012’ teil und hielt dort am 13. März einen Vortrag zum Thema ‘Eine Welt ohne Atom und das Leben der Frauen’. 2005 war sie Sprecherin im Umweltministerium und ist derzeit als Atompolitische Sprecherin der Fraktion der Grünen im Deutschen Bundestag tätig.
Anlass war für sie die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Frau Kotting-Uhl wurde sich der Tatsache bewusst, dass sie für sich und ihre Familie keine “grüne Insel” erschaffen könne, solange es zu derartigen Umweltkatastrophen kommen kann. Damals, am Nachmittag des 26.4.1986, als das Unglück passierte, führte sie am Stadtrand von Heidelberg ein ökologisches Leben mit Eigenversorgung an Nahrungsmitteln. “An jenem herrlichen Tag pflückte ich mit den Kindern im Vorgarten Kräuter. Doch unmittelbar nach dem Vorfall zog die radioaktive Wolke herüber, und man konnte keine Kuh mehr melken und keinen Honig mehr produzieren.”
Im darauf folgenden Jahr trat sie der Partei der Grünen bei und engagierte sich in der Umweltbewegung. In der Zeit unmittelbar nach der Katastrophe von Tschernobyl entstanden im ganzen Land Initiativen gegen die Kernkraft. Im Süden Deutschlands gründete sich im Schwarzwald die Bürgerinitiative “Eltern gegen Atomkraft”, die sich zu einer alternativen Bewegung für den Gebrauch von sauberer und sicherer Energie entwickelte. Vor 20 Jahren kaufte dieser Bürgerverband einen lokalen Energieversorgungsbetrieb auf und entwickelte ihn zu einem Unternehmen, das nur erneuerbare Energie produziert. “Wer bei ihm Energie kauft, zahlt mit einem Teil der Stromgebühren in einen Fonds ein, der in Photovoltaikanlagen investiert”, sagte Frau Kotting-Uhl und fügte hinzu: “Mittlerweile hat sich der Betrieb zu einem der größten grünen Energieversorgungsunternehmen Deutschlands entwickelt.”
Sie betonte, dass auch in der Anti-Atomkraft-Bewegung die Identität der Frauen benötigt werde. “Im Allgemeinen verhalten sich Frauen im Vergleich zu Männern wesentlich sensibler gegenüber Gefahren. Aus diesem Grunde können sie auch einen kritischeren Standpunkt zu Gefährdungsfaktoren wie z. B. Kernkraft vertreten.” Auch bei den Grünen, die seit ihrer Parteigründung 1980 an der Spitze der Anti-Nuklear-Bewegung stehen, ist die Parteiführung mit einer quotierten Doppelspitze besetzt, und 50% der Listenplätze bei den Abgeordneten werden an Frauen vergeben.
Den Grünen gelang 1998 die Gründung einer Koalitionsregierung mit der Sozialdemokratischen Partei, und seitdem setzen sie sich verstärkt für die Abschaffung der Kernkraft ein. Die CDU hatte nach ihrem Wahlsieg 2009 zwar die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke beschlossen, doch nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima in Japan im vergangenen Jahr ruderte man wieder zum “Ausstieg aus der Kernkraft bis zum Jahr 2022” zurück.
Frau Kotting-Uhl schätzte ein, dass der Prozess des Atomkraftausstiegs in Deutschland glatt verlaufen werde. Sie fügte lediglich hinzu, dass die Techniken zur Energiespeicherung weiterentwickelt werden müssten, weil die Stromerzeugung bei den Windkraftwerken ungleichmäßig erfolgt. Und auf die Anmerkung, dass im Prozess des Atomausstiegs die Strompreise steigen werden, erwiderte sie: “Die Vorräte an Erdöl und Steinkohle gehen zur Neige und deshalb werden diese auch teurer werden. Aber die erneuerbaren Energien sind unbegrenzt verfügbar, und wenn man dazu noch die entsprechende Technik entwickelt, werden sie allmählich billiger werden.”
Text und Foto: Reporter Nam Chong-yông, fandg@hani.co.kr
‘Beliebter Artikel der Hankyoreh-Zeitung’

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