Karlsruher Atomtage mit prominenten Gästen

Badische Neueste Nachrichten

Ausstieg, Forschung und strahlender Müll – „Das Thema wird unterschätzt“

Von unserem Redaktionsmitglied Tobias Roth

Karlsruhe. Vor vier Jahren hat in Deutschland in Sachen Energie eine neue Zeitrechnung begonnen. Die schwarz-gelbe Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beschloss nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima den Atomausstieg. Acht Kernkraftwerke, darunter auch Philippsburg I, sind damals direkt vom Netz genommen worden. Bis 2022 sollen die noch acht verbliebenen AKW abgeschaltet werden. Die Energiewende ist das Mammutprojekt der Koalition. Ist das Thema Atomkraft damit vom Tisch? „Nein, aus meiner Sicht nicht“, sagt Sylvia Kotting-Uhl. Die Karlsruher Bundestagsabgeordnete der Grünen und Atomexpertin hat deshalb die Karlsruher Atomtage ins Leben gerufen. Vier Tage lang steht ab morgen die Atomkraft im Mittelpunkt von Vorträgen, Streitgesprächen und Podiumsdiskussionen.

„Das Thema wird unterschätzt“, sagt Kotting-Uhl. Nicht nur die Energiewende an sich wirft Fragen auf wie zum Beispiel, was passiert, wenn der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht ausreicht? Bleiben dann Kernkraftwerke länger am Netz? Oder muss verstärkt auf Strom aus Kohlekraftwerken gesetzt werden? Aber es geht bei den Atomtagen noch um mehr: Die Debatte in Karlsruhe soll auch das Thema Forschung beleuchten und einen Blick über die Grenze werfen, zum Beispiel auf das Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass, das entgegen der ursprünglichen Ansage der französischen Regierung wohl in naher Zukunft doch nicht abgeschaltet wird. Thematisiert wird auch die Erweiterung des AKW Hinkeley Point in Großbritannien, für das europäische Subventionen fließen sollen. Und nicht zuletzt wird die Suche nach einem Endlager für den radioaktiven Müll erörtert. Im Zwischenlager Karlsruhe und beim Atomkraftwerk Philippsburg stapeln sich die Castoren mit radioaktivem Abfall. Der Platz wird eng und zugleich ist die Suche nach einem geeigneten Endlager schwierig. „Wir kommen schrittweise voran“, sagt zwar Kotting-Uhl, die in der Endlager-Kommission sitzt, weist aber zugleich darauf hin, dass es sein kann, dass der Atommüll in den Zwischenlagern länger bleiben muss.

Für die Atomtage hat Kotting-Uhl eine Reihe prominenter Teilnehmer nach Karlsruhe geladen. Von den Grünen werden Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament, und Umweltminister Franz Untersteller kommen. Zudem sind Vertreter von Umweltverbänden und Bürgerinitiativen geladen, aber auch Vertreter der Atomindustrie. Die Wirtschaft ist unter anderem mit dem EnBW-Vorstandsmitglied Hans-Josef Zimmer vertreten, vom KIT kommt Walter Tromm, Programmsprecher Nuklear, das sich mit Sicherheitsforschung und Notfallschutzmaßnahmen beschäftigt. „Natürlich wollen wir alle Seiten zu Wort kommen lassen“, betont Kotting-Uhl, „wir müssen uns zusammensetzen und einen breiten Konsens finden.“ Dafür sollen die Karlsruher Atomtage einen Beitrag leisten.

Quelle:  Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | POLITIK | 15.07.2015

Die Karlsruher Atomtage beginnen morgen Abend, 19 Uhr, mit der Auftaktveranstaltung im Zieglersaal der Akropolis, Baumeisterstraße 18, und den Themen Atomausstieg und Energiewende. Der Freitag seht im Zeichen der Sicherheit, am Samstag geht es um Endlagerung und Forschung. Zu allen Veranstaltungen der Atomtage ist der Eintritt frei.

Das Programm und weitere Informationen zu den Atomtagen gibt es im Internet unter www.atomtage.de

 

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