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Karlsruher Schülerin wird ein Jahr als Junior-Botschafterin des Parlaments in den USA leben

Badische Neueste Nachrichten

„Meine Zahnspange kommt bis zur Abreise noch raus!“, lacht Marie Braun. Die 16-Jährige ist eine von 285 Stipendiaten, die ab Herbst als Junior-Botschafter für Deutschland eine US-High School besuchen werden. Im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) übernimmt der Deutsche Bundestag Reise- und Versicherungskosten für das Austauschjahr und stellt den Schülern einen Bundestagsabgeordneten als Paten an die Seite. Marie wird vor, während und nach ihrem Austausch von Sylvia Kotting-Uhl (Die Grünen) begleitet. Im Karlsruher Wahlkreisbüro der Parlamentarierin treffen die beiden erstmals aufeinander.

Sylvia Kotting-Uhl mit Marie Brauna

MdB Sylvia Kotting-Uhl unterstützt die Juniorbotschafterin Marie Braun (re)

„Ich habe mich für Marie als Patenschülerin entschieden, weil sie durch ihre aufgeschlossene, kommunikative Art ideale Eigenschaften für das Programm mitzubringen scheint“, erklärt Sylvia Kotting-Uhl. Junior-Botschafter sollten wach und offen für Neues zu sein; auch Mut und Neugier seien wichtig, um sich im Ausland zurechtzufinden. Waldorfschülerin Marie interessiert sich schon lange für fremde Kulturen: Eine Sprachreise nach Frankreich und ein Schüleraustausch nach Rumänien liegen hinter ihr. Mit zwölf Jahren flog sie allein zu ihrer Patentante nach Spanien, um dort vier Wochen zu leben. Schon in den Pfadfinderlagern faszinierten sie Kinder, die aus anderen Ländern kamen. „Dort habe ich Leute aus Costa Rica oder Südafrika kennengelernt, die waren ganz anders als wir und haben die ganze Zeit Musik gemacht“, erinnert sie sich. „Jetzt habe ich richtig Fernweh, es reizt mich, die Welt zu entdecken“, schwärmt sie.

Wo genau sie das nächste Schuljahr verbringen wird, steht indes noch gar nicht fest. Auf Basis einer Bewerbung auf Englisch wird die mit dem Parlament kooperierende Austauschorganisation ihr Highschool und Gastfamilie zuteilen. „Colorado würde mich sehr reizen oder auch Washington. Aber es kann natürlich passieren, dass ich mitten im Maisfeld lande“, sagt Marie.

Die neue politische Situation im Land unter Präsident Trump nennt sie „eine Herausforderung“ und Patin Kotting-Uhl pflichtet ihr bei: „Früher hat man ein Austauschjahr als tolle Gelegenheit gesehen. Jetzt treffen die Schüler dort auf ein Klima, in dem viel debattiert und möglicherweise bald auch viel verändert wird.“ Wenn plötzlich selbstverständliche Grundlagen wie Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung und sogar die Gewaltenteilung infrage stünden, fühle sich das schon etwas mulmig an. Andererseits diene das Programm ja dazu, dass junge Menschen sich über ihre Wünsche und Vorstellungen austauschen, etwa, dass Frauen respektvoll behandelt werden, meint die Karlsruher Bundestagsabgeordnete.
Vor ihrem Aufbruch hat Marie noch einiges vor: In Berlin wird sie die anderen Parlaments-Stipendiaten zu einem Vorbereitungskurs treffen und den politischen Alltag ihrer Patin kennenlernen.

Außerdem probiert sie mit ihrer Mutter eifrig Brotrezepte aus, um in Übersee auch Deutschlands kulinarische Vorzüge vermitteln zu können. Nina Setzler

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 11.02.2017