Rede zu Protokoll: Keine Förderung von Atomexporten

zu Protokoll gegebene Rede

2001 wurde in Deutschland die Exportförderung von Atomtechnologie beendet. Das hatte seine guten Gründe die bis heute ungeschmälert gelten. Zur Deckung des weltweiten Energiebedarfs spielt Atomkraft eine geradezu verschwindende Rolle. Daran ändert auch der ständige Versuch der Liebhaber dieser Technologie das anders darzustellen nichts. Atomenergie wird global weder für die künftige Energieversorgung noch für den Klimaschutz von größerer Bedeutung sein. Demgegenüber stehen die unverantwortbaren Risiken der Atomkraft, die dort noch steigen, wo keine unabhängige Atomaufsicht besteht oder Atomanlagen in erdbebengefährdeten Gebieten geplant werden. Beides trifft auf Brasilien zu, für dessen geplantes Atomkraftwerk Angra 3 Siemens/Areva eine Hermes-Bürgschaft über bis zu 2,5 Milliarden Euro beantragt.

Wir wissen, dass der Bau von Atomkraftwerken in vielen Ländern insgeheim mit der Hoffnung verbunden ist, darüber in den Kreis der Atommächte aufzusteigen. Atomtechnik birgt immer die Gefahr des militärischen Missbrauchs. Die internationale Debatte um das Atomprogramm des Iran zeigt exemplarisch die große Sorge die viele Staaten hier umtreibt. Das Ziel der Bundesregierung 2001 war, solche Risiken durch den Ausschluss der Förderung für Atomtransporte zu verringern. Dazu gehörte die Haltung weltweit für den Ausstieg aus der zivilen wie militärischen Nutzung der Atomenergie zu werben, sich für eine Stärkung des Nicht-Verbreitungsregimes von Atomwaffen einzusetzen und die Atommächte an ihre Abrüstungsverpflichtungen zu mahnen.

CDU, CSU und FDP haben sich nun laut Koalitionsvertrag entschieden die gute Praxis der Hermes-Umweltleitlinien nicht mehr anzuwenden. Und wenige Monate nach der Regierungsübernahme durch schwarz-gelb steht der Antrag von Siemens/Areva als Präzedenzfall zur Entscheidung an. Nichts an diesem Antrag spricht dafür ihn zu bewilligen.

Hermes-Bürgschaften für Atomtechnologie bergen grundsätzlich ein hohes Risiko für den Bundeshaushalt. Die ständigen Begleiter der jüngsten AKW-Projekte, als da wären explodierende Kosten, Verzögerungen im Bau und schlechte Planungen, erhöhen das Kreditausfallrisiko überdurchschnittlich, wie das “Congressional Budget Office” – eine Art amerikanischer Bundesrechnungshof – errechnet hat. Aber eine Bürgschaft für den Bau eines Atomreaktors in Angra dos Reis ist noch aus ganz anderen, darüber hinaus gehenden Gründen abzulehnen.

Die erdbebengefährdete Region liegt nur rund 100 km von der Millionenstadt Rio de Janeiro entfernt. Ganz sicher nicht der geeignete Standort für ein Atomkraftwerk. Brasilien hat ein wichtiges Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag bis heute nicht unterzeichnet und hat keine unabhängige Atomaufsicht. Die funktionelle Trennung von Betrieb und Aufsicht über Atomanlagen ist also nicht möglich. Auch wenn mir Ihre – verehrte Kolleginnen und Kollegen von den Regierungsfraktionen – Haltung zur Atomkraft bei allem Unverständnis meinerseits bewusst ist, so gehe ich doch davon aus, dass Sie solche Unsicherheitsfaktoren nicht gut heißen können.

Sie bereiten die Rückkehr zur Atomkraft in Deutschland derzeit auf allen Kanälen vor. Unsere Einschätzung Ihrer Absicht kennen Sie und wir werden uns mit Ihnen darüber weiterhin gründlich auseinandersetzen. Heute geht es um die Frage einer Bürgschaft mit Steuergeldern für ein ökonomisch unsinniges und ökologisch nicht verantwortbares Projekt. Sie müssen diesen Antrag auf Bürgschaft ablehnen. Eine Lex Siemens in Verbindung mit der Inkaufnahme extremer Risiken, für die vor allem Sie, meine Damen und Herren von der FDP, sich bei Ihrem ständigen Gerede von Mittelstandsförderung schämen müssten, ist nicht das, was dieses Land derzeit braucht.

Print Friendly, PDF & Email

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://kotting-uhl.de/site/keine-foerderung-von-atomexporten/