Kotting-Uhl, MdB, Bundestag, Bündnis 90/Die Grünen, Karlsruhe

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Keine Verhandlungen mit dem Klima

Badische Neueste Nachrichten

Grenzen des Wachstums im Zentrum einer Podiumsdiskussion von zwölf Verbänden

Zwölf Karlsruher Verbände von Attac bis Nabu sprechen im Tollhaus mit Bundestagskandidaten oder deren Vertretern über soziale und ökologische Grenzen des Wachstums.

Einführend gibt Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh Impulse für eine gerechte und friedliche Zukunft des Planeten: Seit 150 Jahren herrsche eine Definition von Wachstum, bei der alles profitabel und effizient sein müsse. „Mein Eindruck ist: Wir brauchen immer mehr und sind uns selbst nicht genug.

Diese Denkweise kommt an Grenzen, mit Folgen für die Umwelt, unsere fernen Nächsten und unsere Kinder.“ Moderiert von Ute Rieger geht es im Kreis der Politiker um Naturschutz, Energiewende, Verkehr und soziale Fragen. Bundestagsabgeordnete Karin Binder (Die Linke) möchte keine Freihandelskommen. „Die afrikanischen Völker leiden unter den Knebelverträgen. Der Unsinn, dass wir Milchpulver und Geflügelklein dorthin bringen, muss aufhören.“ Sylvia Kotting-Uhl, Bundestagsabgeordnete der Grünen: „Abkommen wie TTIP und Ceta sind ungerecht, wir brauchen eine globale Solidarität. Auch die Spekulation mit Nahrungsmitteln muss aufhören.“

Parsa Marvi (SPD) sagt, Deutschland und Europa müssten bei der Umsetzung der Zielvereinbarungen vorangehen. „0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens muss für Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben werden.“ Zur Mobilitätswende sagt Marc Bernhard (AfD), eine Batterie halte nur acht Jahre und ihre Herstellung erzeuge viel CO2. Die wirklichen Umweltverschmutzer seien große Schiffe.

CDU-Frau Ursula Jäger erklärt, Infrastruktur und ökologischer Fußabdruck von E-Autos ließen zu wünschen übrig. „Forschung und Innovation sind die Lösung, wir werden noch einige Jahrzehnte mit dem Verbrennungsmotor zubringen.“

Carolin Holzmüller (FDP) wünscht sich Offenheit für alle Formen des Antriebs. Jeder solle das Fortbewegungsmittel haben, das zu seinem Leben passt. Sie fordert eine Privatisierung der Bahn, damit neue Wettbewerber die Schienen attraktiver machen.

Sylvia Kotting-Uhl beharrt auf ein Ende des Verbrennungsmotors 2030. ÖPNV, Car- und Bike-Sharing sollten genutzt werden, den Rest sollten saubere Autos erledigen: „Wir können Arbeitsplätze auch in einer modernen Mobilitätsindustrie zur Verfügung stellen!“

Parsa Marvi möchte die Abschaffung des Atomstroms in Gesamteuropa und ein Transparenzgesetz für die Atomforschung etwa am KIT. Marc Bernhard hält dagegen, Deutschland sei mit der Energiewende allein. Obwohl sie richtig sei, dürfe man nichts überstürzen. „Die Energie in Deutschland ist dreimal so teuer wie in anderen Staaten.“ Für einen schrittweise Kohleausstieg bis 2035 und eine Bezuschussung energiesparender Geräte plädiert Karin Binder.

Sylvia Kotting-Uhl mahnt: „Mit dem Klima kann man nicht verhandeln. Es ist eine Minute vor Zwölf und wir haben die Aufgabe, eine Vorreiterrolle zu übernehmen.“

Quelle:Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 14.09.2017/Nina Setzler