Kotting-Uhl fordert Aufklärung über WAK

Badische Neueste Nachrichten

Kosten für die Atomruinen „schöngerechnet“?
Von unserem Redaktionsmitglied Elvira Weisenburger

Karlsruhe/Berlin. Die drohenden Verzögerungen und finanziellen Engpässe beim Rückbau der Karlsruher Atomruinen haben die atompolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl, auf den Plan gerufen. Auf einen Bericht der Badischen Neuesten Nachrichten hin hat die Politikerin nun die Bundesregierung schriftlich aufgefordert, die neuesten Zahlen zum Milliarden-Rückbauprojekt der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) auf den Tisch zu legen. (Siehe auch „Hintergrund“.) „Wie bei allen Großprojekten werden die Kosten schöngerechnet“, fürchtet Kotting-Uhl.
Unterdessen haben nach BNN-Informationen mehrere Beschäftigte, die teilweise seit 30 Jahren über Fremdfirmen in der WAK arbeiteten, ihre Kündigung erhalten. Sie fühlen sich als direkte Opfer der neuen Sparzwänge, da die WAK die Verträge mit Partnerfirmen reduziert hat. In ihrem Umfeld wird darüber gemunkelt, dass die WAK nun vermehrt „eigene Leute aus Greifswald herankarrt“, um die Arbeiten zu erledigen. Zum Hintergrund: Die WAK gehört ebenso wie das stillgelegte Atomkraftwerk Greifswald heute zu den Energiewerken Nord.
Dass es „in Einzelfällen bei Fremdfirmen zur Kündigung von Personal“ gekommen sei, bestätigt die WAK auf Nachfrage. „Die Anpassung von Arbeitsplänen an das Finanzvolumen“ sei jedoch bei Langzeitprojekten wie dem Rückbau von Nuklearanlagen „kein ungewöhnlicher Vorgang“.
Zuvor hatte Sprecher Peter Schira gegenüber den BNN bestätigt, dass die WAK derzeit rund zehn Prozent Geld zu wenig habe, um ihre Rückbauarbeiten planmäßig durchzuführen. Welche Kosten sind bisher für den Rückbau des alten Mehrzweckforschungsreaktors und der Verglasungsanlage entstanden? Welche weiteren Verteuerungen und Verzögerungen sind zu erwarten? Welche Folgen hat das für beteiligte Unternehmen? Darüber fordert die Grünen-Abgeordnete Kotting-Uhl, die den Wahlkreis Karlsruhe im Bundestag vertritt, nun Klarheit von der Bundesregierung. „Dieser Rückbau ist einfach Neuland“, betont sie. „Schade, dass es dazu nie eine klare Aussage gibt.“ Statt Unwägbarkeiten einzuräumen und Puffer einzukalkulieren, rechneten die Verantwortlichen „konservativ“.
Weitere Verzögerungen beim Rückbau der Atomanlagen hält auch der Karlsruher Landtagsabgeordnete Johannes Stober (SPD) für heikel: „Mann muss es zügig machen – es wird ja nicht billiger.“
HINTERGRUND

Milliarden für Rückbau
Bereits 2007 wurden Gesamtkosten von rund 2,6 Milliarden Euro für die Atomsuppen-Verglasung und den Rückbau sämtlicher Atomruinen der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) bis ins Jahr 2023 errechnet – doch durch Verzögerungen im geplanten Endlager Schacht Konrad stiegen die Kalkulationen des Bundes bereits 2011 auf knapp 2,9 Milliarden Euro.
Der finanzielle Beitrag der Energieversorger wurde vor langem auf eine Milliarde festgeschrieben. „Das war gegenüber den Steuerzahlern ein unverantwortliches Entgegenkommen“, erklärte Grünen-Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl jetzt in Zusammenhang mit ihrer WAK-Anfrage.
Den Löwenanteil für den Rückbau der stillgelegten Forschungsreaktoren und Anlagen der WAK nördlich von Karlsruhe bei Eggenstein-Leopoldshafen trägt der Bund. Einen Anteil von 8,2 Prozent steuert das Land Baden-Württemberg bei: Elf Millionen sind es nach Angaben des Stuttgarter Finanzministeriums allein in diesem Jahr – dies entspreche voll und ganz den Vereinbarungen.
Warum die WAK trotzdem mit mehr Geld gerechnet hatte? In vergangenen Jahren habe es teilweise zusätzliche Haushaltsmittel gegeben, erklärt WAK-Sprecher Peter Schira. Aber: „Dies lässt sich in diesem Jahr seitens des Bundes nicht realisieren.“ ew
Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | SÜDWESTECHO | 11.07.2013

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://kotting-uhl.de/site/kotting-uhl-fordert-aufklaerung-ueber-wak/