Neustart bei der Endlagersuche

Badische Neueste Nachrichten
Fachkommission nimmt ihre Arbeit auf und will in zwei Jahren Ergebnisse vorlegen
Berlin (dpa/BNN). Mehr als 35 Jahre stand der Salzstock Gorleben im Mittelpunkt, jetzt beginnt die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll von vorn. Gestern nahm eine beim Bundestag angesiedelte Fachkommission ihre Arbeit auf, die bis Mitte 2016 die Kriterien für die bundesweite Suche erarbeiten soll. „Es gibt gemütlichere Aufgaben“, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Er appellierte an die Mitglieder, Empfehlungen mit größtmöglicher Mehrheit zu treffen. Damit wachse die Wahrscheinlichkeit, dass der Gesetzgeber diese umsetze. Die Aufgabe sei rechtlich, technisch und politisch enorm komplex.
In der Kommission sitzen je acht Bundestagsabgeordnete, acht Ländervertreter, acht Wissenschaftler und acht Vertreter der Zivilgesellschaft, darunter Gorleben-Befürworter und Gegner. Nur die 16 Vertreter aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft sind stimmberechtigt. „Wollen wir den gemeinsamen Erfolg, das ist die Frage, die über allem steht“, sagte die frühere Parlamentarische Umwelt-Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser (CDU), die im Wechsel mit Michael Müller (SPD) den Vorsitz der Endlager-Kommission hat. „Die Endlager-Kommission bietet die Chance, der Lösung des deutschen Atommüll-Problems einen entscheidenden Schritt näher zu kommen,“ erklärte die Karlsruher Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl, die auch Mitglied der Kommission ist. Sie fordert, eine „nicht auf Gorleben fixierte Lösungsgrundlage zu erarbeiten.“
Bis 2031 soll ein Endlager gefunden sein. Nachdem in Gorleben bereits 1,6 Milliarden Euro investiert worden sind, wird mit Kosten von mindestens zwei Milliarden Euro für die Suche gerechnet. Auch Gorleben bleibt im Rennen, kann aber je nach Festlegung der Kriterien auch als ungeeignet ausscheiden. Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, rechnet damit, dass ein Endlager frühestens 2050 betriebsbereit ist. „Das wäre sehr ambitioniert“, sagte König. „Alle früheren Zeitvorstellungen haben sich als falsch erwiesen.“
Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | POLITIK

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