Ohne Abrüstung kein Atomausstieg

Badische Neueste Nachrichten

Ex-Minister Trittin bei Karlsruher Atomtagen

Karlsruhe. „Wir müssen alle daran arbeiten, die Ziele und Debatten von gestern zu überwinden und uns fragen: Was sind die Aufgaben und Wege in die Zukunft und was müssen wir hinter uns lassen?“ Dieses Fazit zog am Samstagabend die Karlsruher Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl (Grüne) zum Abschluss der 4. Karlsruher Atomtage.

Mehr als 100 Besucher hörten zum Schluss der dreitägigen Veranstaltung zunächst einen Vortrag des früheren Karlsruher Stadtrats und BUND-Mitglieds, Harry Block, über deutsche Uran-Geschäfte, die trotz des Atomausstiegs weiter getätigt werden. Demnach reichert die Firma Urenco in Gronau an der niederländischen Grenze Uran aus Frankreich an. Aus dem Material werden in Lingen Brennelemente (Stückpreis: etwa 1,2 Millionen Euro) hergestellt. „Mit diesen Brennelementen werden 50 Kernkraftwerke in 17 Ländern versorgt, darunter die französischen Schrottreaktoren Fessenheim und Cattenom“ berichtete Block.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit dem Titel „Strahlende Zukunft?“ wandte sich ein Gast aus Frankreich an den Jugendvertreter Lucas Denecken. Er, so der Mann, sei 65 Jahre alt und seine Generation habe die Sache mit der Atomkraft ins Rollen gebracht. „Deine Generation“, fuhr er an den Teenager gewandt fort, „muss sie jetzt zu Ende bringen“.

In seinem Vortrag mit dem Titel „Die Macht der Atomkraft“ erinnerte der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) an den Beginn des Atomzeitalters. Bei der Einsetzung von Kernenergie sei es nie darum gegangen, eine wettbewerbsfähige Energieerzeugung zu schaffen.

Um das erste Atomkraftwerk in Gundremmingen zu bauen, das 1967 ans Netz gegangen war, hätten die Stromkonzerne zunächst davon überzeugt werden müssen, die riesigen Investitionen von 345 Millionen Mark vorzunehmen. Neben Bürgschaften der Bundesregierung habe sich der Staat damals sogar verpflichtet, 90 Prozent möglicher Einnahmeausfälle zu übernehmen.

Trittin sieht einen Grund dafür im Drängen der USA, die die zivile und militärische Nutzung der Atomkraft weltweit kontrollieren wollten. „Deshalb kann das Atomzeitalter nur abgewickelt werden, wenn man die atomare Abrüstung vorantreibt“ zitierte der Bundestagsabgeordnete den verstorbenen SPD-Politiker Hermann Scheer. Wer die Macht des Atoms brechen wolle, so Trittin weiter, müsse aus der Atomenergie aussteigen, das Geschäft mit der Urananreicherung beenden und den Atomwaffensperrvertrag ratifizieren.

Ulrich Philipp

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | ZEITGESCHEHEN | 24.09.2018 | Seite 3

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