Pflege im Fokus

Badische Neueste Nachrichten

eki. Wegen des demografischen Wandels wird es in Deutschland immer mehr ältere sowie hoch betagte Menschen geben, und bereits heute droht ein massiver Fachkräftemangel. „I?“, lautete gestern denn auch die Fragestellung bei einer Podiumsdiskussion der Diakonie Baden. Zunächst einmal sei die Pflege in Deutschland „unterfinanziert und überbürokratisiert“, betonte Urs Keller. Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Baden saß mit den drei Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (Grüne), Pascal Kober (FDP) aus Sindelfingen und Karin Maag (CDU) aus Stuttgart sowie dem Karlsruher SPD-Bundestagskandidaten Parsa Marvi auf dem Podium und skizzierte ein düsteres Bild der derzeitigen Pflegelandschaft.

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Prinzipiell sei der Mix aus stationärer und ambulanter Pflege sowie der Betreuung durch Angehörige in Ordnung. Allerdings seien die Verwaltungskosten zu hoch, nur zwei Prozent der Krankenkassenausgaben flössen in die ambulante Pflege und die Lohnentwicklung der Pflegekräfte liege unter dem Durchschnitt, berief sich Keller auf Zahlen des Bundesamts für Statistik.

Sie wolle die Kassen nicht von einem Podium aus kritisieren, betonte Maag, und auch Kober übte keine Kassenschelte. Für seine Aussage „Man kann den Krankenkassen nicht den Vorwurf machen, die Versorgung ihrer Versicherten schlechter zu stellen“ erntete Kober vom Publikum jedoch ein missmutiges Raunen.

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Kotting-Uhl und Marvi forderten Änderungen im bestehenden Pflegesystem, um die Betreuung der Pflegebedürftigen zu verbessern. „Die Pflegekräfte leiden zunehmend an Überforderung“, so Kotting-Uhl: Die Arbeitsbedingungen müssten zur Debatte stehen, und das gelte ebenso für die Unterbringung in den Pflegeheimen. Nötig sei ein „angemessener Personalschlüssel“. Die derzeitige Situation in vielen Pflegeheimen sei „entwürdigend“ für Beschäftigte wie Betreute. „Auch alte und kranke Menschen müssen das Gefühl haben, weiterhin zur Gesellschaft zu gehören“, so das Fazit der Karlsruher Grünen-Abgeordneten, mit dem „bisherigen Sparbudget“ seien Änderungen aber kaum durchsetzbar.

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Für Verbesserungen im derzeitigen Pflegesystem müssten auch neue Formen des Zusammenlebens ausgelotet werden und die Flexibilität der Pflege erhöht werden, erklärte Parsa Marvi. Generationenübergreifende Wohnkonzepte mit ambulanten Pflegesystemen könnten für mehr Effizienz im Pflegebereich sorgen.

„Es muss mehr Geld für die Pflege in die Hand genommen werden“, so das Fazit von Urs Keller.

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 01.08.2013

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