„Politik ist kein Pony-Zoo“

Badische Neueste Nachrichten
Gut 200 Zuhörer verfolgen Wahlkampfauftritt von Kretschmann und Kotting-Uhl
Von unserer Redakteurin Tina Kampf
Winfried Kretschmann ist früh dran. Und lässt sich dann erst einmal Zeit: Der Ministerpräsident, der an diesem Donnerstagnachmittag zu einer Wahlkampfveranstaltung der Grünen auf den Stephanplatz gekommen ist, gibt erst mal Autogramme, lächelt freundlich, wenn ihn jemand mit dem Handy fotografieren will, und plaudert dann mit der Karlsruher Kandidatin Sylvia Kotting-Uhl. Beide verweilen unter dem Schutz eines Sonnenschirms, Kretschmann blättert minutenlang still im Parteiprogramm.

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Es ist 16 Uhr, 16.10 Uhr. 16.15 Uhr. Langsam füllt sich der Platz. Am Ende sind es nach Schätzung der Polizei gut 200 Zuhörer – darunter Bürgermeister Klaus Stapf und die Landtagsabgeordneten Gisela Splett und Alexander Salomon –, die die Reden der beiden Wahlkämpfer verfolgen – und zunächst die Ansage der früheren Landtagsabgeordneten Renate Rastätter hören, dass man gute Chancen sehe, dass Kotting-Uhl das Direktmandat in Karlsruhe holen könne. Kretschmann spricht später von einer „attraktiven Kandidatin“, von einer „zähen, leidenschaftlichen Kämpferin“, mit der er selbst parteiintern schon manchen Strauß ausgefochten habe. Am Ende umarmen sich beide.
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Fast eine Dreiviertelstunde steht der Ministerpräsident zuvor auf der Bühne am Rednerpult, arbeitet sich ab an einer Vielzahl von Themen. „Wir müssen die Steuern erhöhen, weil Deutschland unterfinanziert ist“, sagt der Grüne. Er verweist auf Sanierungsstaus in Milliardenhöhe, bei Krankenhäusern oder Universitäten zum Beispiel. Er legt dar, warum Hausaufgaben Schulaufgaben werden sollten. Sagt, dass er ein überzeugter Anhänger der Ganztagesschule sei, dass es darum gehe, die sich anbahnende soziale Spaltung in den Griff zu bekommen. Mitglieder der Schüler-Union und des CDU-Teams halten indessen Schilder hoch, auf denen sie gegen die Gemeinschaftsschule protestieren.
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Wenige Meter weiter stehen Gegner von Stuttgart 21, auf deren Transparent zu lesen ist: „Vom Landes Vater zum Herren Knecht.“ Kretschmann greift das auf, verweist auf den Volksentscheid, „die Mehrheit hat gegen mich entschieden“. Und nun sei er an Recht und Gesetz gebunden.
„Politik ist kein Ponyzoo“, sagt Kretschmann. Natürlich gebe es Widerstände und Verdruss. Damit setze er sich auseinander, „und gute Argumente beeindrucken uns“. Aber irgendwann müsse man eben entscheiden, „wir wollen aus Deutschland ja nicht den größten Debattierklub der Welt machen“. Immer wieder höre er derzeit, dass dem Wahlkampf ein Thema fehle, so der Grüne. Zugetragen worden sei ihm, dass beim Fernsehduell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Herausforderer Peer Steinbrück nicht einmal das Wort „Klimaschutz“ gefallen sei. „Da wurde dann an einem wichtigen Thema vorbeigeredet.“
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Klimaschutz und die Energiewende, das beschäftigt auch Kotting-Uhl, die atompolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist. „Es gibt keine Energiewende ohne Atomausstieg“, ruft sie ihren Zuhörern zu. Auch sie greift viele Themen auf. „Bomben helfen in Syrien nicht weiter“, sagt sie. Und das Völkerrecht sehe keinen Schuss vor den Bug vor. Deutschland müsse aufhören mit den extremen Waffenexporten und die Türen aufmachen für die Flüchtlinge. Es geht um den Abhörskandal, um Freundschaften auf Augenhöhe, „Obama findet leider auch nicht aus der üblichen Wildwest-Manier heraus“. Kotting-Uhl erklärt die Idee des „Veggie-Days“, jeder könne entscheiden, was er wann esse. Es gehe nicht um eine Ökodiktatur, nicht um Verbote. „Aber wir dürfen doch appellieren, dass man die Folgen seines Tuns bedenkt, die über die eigene Person hinausgehen.“ Und Nachhaltigkeit sei ein ureigenes grünes Thema. Kotting-Uhl spricht frei, spricht leidenschaftlich. Sie blickt nach Fukushima, nach Berlin und dann wieder nach Karlsruhe. Vergangene Woche, als die NPD auf dem Gutenbergplatz war, da seien CDU und FDP nicht vor Ort gewesen. Grüne, SPD, Linke und Piraten seien es gewesen, die „die Nazis verjagten“, so die Kandidatin: „Das ist meine Stadt, ich bin stolz auf sie.“
Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 06.09.2013
 


 

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