Porträt: Keine Entscheidungen mit Tunnelblick treffen

Badische Neueste Nachrichten
Sylvia Kotting-Uhl (Grüne) ist Energiewende wichtig
„Politisches Handeln heißt immer, Verantwortung zu übernehmen und nicht, mit Tunnelblick Entscheidungen zu treffen.“ Das ist einer der Grundsätze der Bundestagskandidatin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl. Denn Nachhaltigkeit zu praktizieren, heiße, die Folgen einer Entscheidung im Blick zu haben. Die 60-Jährige ist atompolitische Sprecherin ihrer Fraktion und sitzt seit 2005 im Bundestag. Abgesichert ist sie auf der Landesliste mit Platz drei, auf den sie beim Parteitag mit über 90 Prozent der Stimmen gewählt wurde.

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SYLVIA KOTTING-UHL will nach 2005 und 2009 zum dritten Mal in den Bundestag einziehen.
Das Wahlkreisbüro in Karlsruhe befindet sich in der Sophienstraße.
Foto: Alàbiso

„Ich werbe dafür, dass die Wähler mir die Erststimme und den Grünen die Zweitstimme geben“, betont die gebürtige Karlsruherin, die Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte studierte und auch schon als Dramaturgin arbeitete. Und mit Blick auf die Bedeutung eines Direktmandats sagt sie: „Ich bin überzeugt, dass eine Frau mit meinem politischen Profil Karlsruhe in Berlin gut vertritt.“ Das Ergebnis der Wahl von 2009, als die Mutter zweier erwachsener Söhne 15,2 Prozent der Erst- und 18,4 Prozent der Zweitstimmen erreichte, will sie 2013 übertreffen.
„Karlsruhe ist die Wiege der Atomkraft, und auch in der neuen Legislaturperiode werde ich in der Atompolitik bleiben“, so Kotting-Uhl. Denn der Atomausstieg müsse noch vollzogen werden, zum Beispiel in der Forschung: „Ich möchte, dass Karlsruhe ein Leuchtturm für Forschung zur Energiewende wird.“ Auch setze sie sich dafür ein, dass öffentliches Geld nicht mehr in atomare Forschung fließe.
Als ihren bisher größten Erfolg als Bundestagsabgeordnete wertet sie die „Lex Asse“. Das Gesetz, das die Rückholung des Atommülls aus der Schachtanlage in Niedersachsen ermöglicht, sei unter ihrer Federführung entstanden und ihr auch deshalb so wichtig, weil der größte Teil des dort gelagerten Mülls aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe stamme. Vertreten wird Kotting-Uhl die Grünen-Fraktion künftig in der Endlager-Kommisssion, die die Suche nach einem Standort zur Lagerung des radioaktiven Mülls vorbereitet.
Neben der Ökologie bezeichnet Kotting-Uhl, die dem linken Lager der Grünen zugerechnet wird, die soziale Gerechtigkeit als politischen Schwerpunkt. So fordert sie einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn. Und als „Vertreterin der Stadt des Rechts“ seien ihr „natürlich auch die Grundrechte sehr wichtig, die immer wieder unter Druck geraten“ wie derzeit durch die „Ausspäherei“ der NSA, die mit dem Verweis auf den Kampf gegen Terrorismus auch von der Bundesregierung gerechtfertigt werde.
Bei der Diskussion um eine zweite Rheinbrücke ist es der Grünen-Politikerin wichtig, dass man von Berlin aus nicht am Willen der Stadt Karlsruhe „vorbeiplant“, das Votum der Mehrheit im Gemeinderat müsse beachtet werden. Alternativen sollten noch einmal geprüft werden. Denn durch eine zweite Brücke nördlich der jetzigen „würde das eigentliche Problem nicht gelöst, sondern der Stau nur verlagert“.
„Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, das vegetarisches Essen kein Defizit ist, sondern genauso vollwertig und geschmacklich rund ist wie ein Essen mit Fleisch“, kommentiert Kotting-Uhl die Diskussion um den von den Grünen vorgeschlagenen fleischlosen Tag in Kantinen, den „Veggie Day“. Das habe nichts mit Fleischverbot zu tun, sondern solle zum Nachdenken anregen, betont sie. Und welchen Ausgang des Urnengangs erwartet Kotting-Uhl? „Wir kämpfen für Rot-Grün, und ich glaube nicht an Umfragen, sondern an das Wahlergebnis vom 22. September.“ Und als Baden-Württembergerin wisse sie, dass „am Ende einer Wahl jede Überraschung möglich ist“. Michael Schorpp
Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 13.09.2013

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