Rede im Bundestag zur Verwertung hochradioaktiver Reststoffe

zum Video

Plenardebatte des Deutschen Bundestages am 14. Februar 2020

Antrag der AfD „Atommüll-Endlager vermeiden – Hochradioaktive Reststoffe verwerten“, Drucksache 19/17127

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen!

Menschengemachte Klimaveränderung gibt es nicht, sagt die AfD. Artensterben – gibt es nicht. Gesundheitsgefährdende Luftschadstoffe – gibt es nicht. Atommüll –  zaubern wir weg. Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt.

(Jürgen Braun [AfD]: Singen Sie doch mal!)

Nur, ganz ehrlich: Für Pippi Langstrumpf fehlt Ihnen der Charme.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Sie sind hier auch nicht in einem Kinderbuch. Sie sind hier in der Herzkammer der deutschen Gesetzgebung, wo es um das Wohl und die Zukunft von Menschen geht. Es fehlt Ihnen nicht nur der Charme, sondern auch die Fähigkeit zur Übernahme von Verantwortung.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)

Sie schreiben in Ihrem Antrag von einer Technologie, die maximal in der Phase der Erforschung ohne größere Hoffnung auf Anwendungsfähigkeit steckt und von der der Präsident des Deutschen Atomforums sagt, er wisse auch, dass sie nie zum Einsatz kommen werde, aber man brauche spannende Forschungsprojekte für die Studenten.

Sie reden davon, als wäre PuT nahe der Realität und würde überall auf der Welt als gleichberechtigte Alternative zur Endlagerung gesehen. Wie üblich verkennen Sie die Realität. Nein, Deutschland ist nicht die Insel, auf der sich aus reiner Lust mit der Problematik der Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll befasst wird, sich Wissenschaftler den Kopf zerbrechen, wie Sicherheit für 1 Million Jahre hergestellt werden kann. Sie von der AfD sind die Insel. Sie sind die Insel der Verweigerung, sich sachgerecht mit den Problemen auseinanderzusetzen, die wir haben. Sie einer Lösung zuzuführen, ist Aufgabe ernstzunehmender Parlamentarier.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN –
Dr. Götz Frömming [AfD]: Das stimmt aber jetzt nicht!)

Außer Fake News, dem Leugnen von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Märchenstunden tragen Sie nichts bei.

(Jürgen Braun [AfD]: Haben Sie nicht Germanistik studiert?)

Ich will Ihnen einmal ein paar Fakten zur Transmutation geben. PuT ist keineswegs gleichermaßen geeignet
und wirksam wie die Endlagerung. Das beginnt schon bei dem verglasten hochradioaktiven Atommüll, für den es seriöserweise keine andere Bestimmung mehr gibt als die Endlagerung. Jede Art von PuT produziert neue Risiken, auch wenn Sie hier manchmal den Eindruck erwecken wollen, ein Windrad sei gefährlicher als ein Atomreaktor. PuT heißt: faktische neue Hochrisikoanlagen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Dr. Nina Scheer [SPD]
und Hubertus Zdebel [DIE LINKE])

PuT geht nicht ohne Wiedereinstieg in die Atomkraft.

(Jürgen Braun [AfD]: Sie verschweigen das Ende der Windenergie!)

Sie wollen das. Das weiß ich. Sie wollen alles, was Unsinn ist, aber die ganz große Mehrheit in diesem Land will das nicht.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
und der LINKEN –Zuruf von der AfD: Abwarten!)

Kommen wir zur technischen Umsetzung. Da bei jedem Transmutationsvorgang Überreste bleiben, muss der
gleiche Müll immer wieder in die Anlage. Mit jeder Wiederaufarbeitung wird es schwieriger, die Materialien zu trennen. Sie brauchen Schnelle Brüter für die Methode. Die haben immer eigene Sicherheitsprobleme, weshalb sie trotz mehr als fünf Jahrzehnte langer Entwicklung immer noch weltweit unbeliebt sind. Was soll an dem Versprechen inhärenter Sicherheit eigentlich neu sein? Die hatte ja schon der Kugelhaufenreaktor von Jülich bis zu seinem Unfall.

Wissen Sie, Ihre angeblich weltweit anerkannte und verfolgte Strategie ist in Wirklichkeit die Fantasie eines
Grüppchens atomfanatischer Forscher,

(Lachen des Abg. Karsten Hilse [AfD])

so realitätsfern und gefahrenverharmlosend, dass sie keine Investoren finden.

(Dr. Götz Frömming [AfD]: Fanatisch ist eine Frage der Perspektive!)

Vizepräsidentin Petra Pau:
Frau Kollegin Kotting-Uhl, achten Sie bitte auf die Zeit.

Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Ich bin in der Schlusskurve, liebe Frau Präsidentin. – Dem kommen Sie auch nicht näher, wenn Sie diese Leute teilweise zu Ihren Mitarbeitern machen und sich von ihnen Ihre Anträge schreiben lassen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN)

Sie sollten einige Dinge akzeptieren.

Vizepräsidentin Petra Pau:
Frau Kollegin.

Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Die menschengemachte Klimakrise existiert, hochgefährlicher Atommüll lässt sich nicht wegzaubern, und die Erde ist keine Scheibe.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN –
Karsten Hilse [AfD]: Das sagen Sie mal Ihren Anhängern! Schade, ich habe mehr erwartet!)

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://kotting-uhl.de/site/rede-im-bundestag-zur-verwertung-hochradioaktiver-reststoffe/