Kotting-Uhl, MdB, Bundestag, Bündnis 90/Die Grünen, Karlsruhe

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Risiken eines Atommüll-Zwischenlagers

Grüne Kreistagsfraktion Wolfenbüttel informierte über Zwischen- und Endlagersuche am 26.09.2015

Die Frage nach einem Zwischenlager für den aus der Asse herauszuholenden Atommüll beschäftigt die Region. Mit einer öffentlichen Veranstaltung in der Lindenhalle informierte sich die Kreistagsfraktion der Grünen über die „Risiken eines Zwischenlagers“.

Für den Informationsnachmittag hatte die Kreistagsfraktion drei Kenner der Materie eingeladen. „Wir wollen alle, dass der Assemüll rausgeholt wird“, erklärte Fraktionsvorsitzender Bertold Brücher. Moderator Michael Fuder fasste einleitend einige Befürchtungen zusammen, die es, so Fuder, im Zusammenhang mit einem möglichen ortsnahen Zwischenlager an der Asse gebe. „Es gibt die Befürchtung, dass ein Zwischenlager für alle möglichen anderen Atommüllarten umfunktioniert werden kann, falls es mit dem Herausholen des Mülls aus der Asse doch nicht funktioniert, unter anderem auch als Endlager“, berichtete Fuder

26.09.2015 Risiken Atommülllager

Dr. Jörg Tietze (von links, Bundesamt für Strahlenschutz), Strahlenschutzexperte Wolfgang Neumann und die atompolitische Sprecherin der Grünen-Brundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl. Foto: Frank Schildener

„Atommüll ist Belastung“

Über die Endlagersuche der dafür zuständigen Kommission in Berlin berichtete Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion. „Die Kommission ist besetzt mit Politikern, Wissenschaftlern, Vertretern von Kirchen und Unternehmern“, erklärte Kotting-Uhl. Politiker hätten in dem Gremium kein Stimmrecht, sagte sie weiter. Die Kommission solle gesellschaftliche und technisch-wissenschaftliche Entscheidungskriterien für die Endlagersuche finden, die zuständigen Gesetze prüfen und die zugehörigen Prozesse transparent in der Gesellschaft vorbringen, referierte sie. „Atommüll ist Belastung. Aber wir müssen lernen mit ihm zu leben“, führte sie weiter aus. Damit das funktionieren könne, brauche es gesellschaftlich akzeptierte und geeignete Lösungen für Zwischen- und Endlager. Es gebe in Deutschland bereits viele Zwischenlager, mit denen sich die jeweilige Bevölkerung arrangieren müsse. So sei beispielsweise jedes stillgelegte Atomkraftwerk ein Zwischenlager mit großem radioaktiven Inventar. Alle Fachleute, auch  die Vertreter der Antiatom-Bewegung, seien sich einig, dass der Atommüll grundsätzlich bis zur Endlagerung an seinem jetzigen Ort bleiben solle.

 

Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion. Foto: Frank Schildener

Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion. Foto: Frank Schildener

„Ein nahes Zwischenlager hat viele Vorteile“

Wie ein mögliches Zwischenlager aussehen könne, darüber sprach Jörg Tietze, Abteilungsleiter für nukleare Sicherheit beim Bundesamt für Strahlenschutz. „Wir haben in der Asse 47000 Kubikmeter radioaktiven Abfall“, erklärte er. Durch die Konditionierung nach der Rückholung und die Neuverpackung, so Tietze, würde daraus inklusive des kontaminierten Salzes ein bis zu fünfmal so großes Abfallvolumen entstehen. Für die Verarbeitung des Mülls würden strengste Sicherheitsregeln gelten, um Strahlenbelastungen Mitarbeiter und Bevölkerung zu vermeiden.

„Eine Anlage im näheren Umfeld der Schachtanlage hat viele Vorteile“, erklärte er. Die Abfallgebinde müssten dafür nicht auf öffentlichen Verkehrswegen transportiert werden, eine potenzielle Belastung durch zusätzliche Transporte oder den Umgang mit dem Material könne dadurch verhindert werden, so der Abteilungsleiter. Angesichts der aktuellen Pause der Begleitgruppe, liege die Suche allerdings auf Eis. „Wir rechnen damit, dass etwa 2030 ein Bundesgesetz die Standortfrage eines Endlagers festlegt“, erklärte er. Mit dessen Inbetriebnahme sei nicht vor 2045 zu rechnen. Bis das Bundesgesetz für Endlagerstandorte wirksam werde, solle die Rückholung aus der Asse begonnen haben.

 

Wolfgang Neumann, unabhängiger Strahlenschutzexperte. Foto: Frank Schildener

Wolfgang Neumann, unabhängiger Strahlenschutzexperte. Foto: Frank Schildener

„Für die Festlegung des Zwischenlagerstandortes sind noch Untersuchungen notwendig“

Der Strahlenschutzexperte Neumann machte deutlich, dass ein Verbleib der Abfälle in der Asse das Risiko einer  Kontamination von Grund-, Oberflächen- oder Trinkwasser berge und deshalb nicht zu verantworten sei. Allerdings müsse man sich dessen bewusst sein, dass auch jeder Umgang mit Atommüll Belastungen und Risiken beinhalte. Die festgelegten Grenzwerte für Strahlenbelastungen in verschiedenen Verordnungen und Gesetzen seien sehr wichtig, eine ungefährliche Strahlungsmenge gebe es jedoch nicht.

Zur konkreten Frage des Zwischenlagers für den Asse-Müll führte Neumann aus, dass von diesem im Normalbetrieb keine relevanten Strahlenbelastungen zu erwarten seien, wenn es sachgerecht geplant und betrieben werde. Die entsprechende BfS-Studie sei grundsätzlich schlüssig. „Gegenüber einem Zwischenlager beinhalten die Phasen der Pufferlagerung und Konditionierung die größere Belastung und das höhere Risiko“, stellte Neumann fest.

Während Pufferlager und Konditionierung nur direkt in der Schachtnähe stattfinden könnte, seien für die Festlegung einen Standort für das Zwischenlager noch Untersuchungen zu Störfällen notwendig, und zwar sowohl für den Normalbetrieb als auch für Transporte. Neumann: „Es ist gut, für alle Berechnungen von den gleichen konservativen  Annahmen auszugehen.“ Für den Normalbetrieb sei in jedem Fall darauf zu achten, die Strahlung durch dicke Wände sowie hohe Dichtheit der Behälter zu minimieren.

 

Moderator Michael Fuder (links) und Dr. Jörg Tietze, Bundesamt für Strahlenschutz. Foto: Frank Schildener

Moderator Michael Fuder (links) und Dr. Jörg Tietze, Bundesamt für Strahlenschutz. Foto: Frank Schildener