Strahlenschutz

Zu meinen Aufgaben als atompolitische Sprecherin gehört das Themenfeld Strahlenschutz. Der Geschäftsbereich des Bundesamtes für Strahlenschutz umfasst dabei neben den Risiken von Radioaktivität auch die Beschäftigung mit Elektrosmog, d.h. den Auswirkungen von nicht-ionisierender Strahlung. Anwendungsbereiche mit nicht-ionisierender Strahlung sind z.B. Solarien oder der Mobilfunk.
Gesetz zur Regelung des Schutzes vor nichtionisierender Strahlung (NiSG)
Entsprechend einer Ratsempfehlung zur Begrenzung der Exposition der Bevölkerung gegenüber elektromagnetischen Feldern ist seit August 2009 der gesamte Frequenzbereich von 0 Hertz bis 300 Gigahertz einer gesetzlichen Regelung unterzogen.
Das Gesetz zur Regelung des Schutzes vor nichtionisierender Strahlung (NiSG) regelt unter anderem das Solarienverbot für Minderjährige und macht Vorschriften für die Anwendung von medizinischen Produkten und Therapien mit elektromagnetischen Strahlen, z.B. beim Zahnarzt zur Inlay-Härtung. Mit dem Gesetz werden erstmalig auch hoheitlich wie privat betriebene Funkanlagen Regelungen unterworfen, einschließlich des digitalen Behördenfunks (BOS Digitalfunk), der bis 2009 keine Strahlenschutzvorschriften einhalten musste.
Wesentliche Regelungen traten erstmals zum 1. März 2010 in Kraft, so z.B. der Bußgeldkatalog. Verstöße gegen das Solarienverbot Minderjähriger können mit bis zu 50.000 € geahndet werden. Kinder sind besonders zu schützen, da das Hautkrebsrisiko durch UV-Strahlung steigt, je früher ein Mensch UV-Strahlung ausgesetzt wird. Strenge Qualitäts­anforderungen sollen insgesamt die Risiken von Neuerkrankungen minimieren, dazu sind weitergehende Verordnungen vorgesehen.
Bundesimmissionsschutz-Verordnung (BImSchV)
Die Grenzwerte für elektromagnetische Strahlungen werden durch die 26. Bundesimmissions­schutzverordnung festgelegt. Sie sind so bemessen, dass die als schädlich anerkannte Erwärmung des Körpers von mehr als einem Grad nicht erreicht wird. Grundlage ist die vom Benutzer aufgenommene Strahlungs­leistung. Diese wird als “Spezifische Absorptionsrate” (SAR) in Watt aufgenommener Energie pro Kilogramm Körpermasse (W/kg) angegeben. Für den Bereich der Mobilfunkfrequenzen in Deutschland beträgt der “mittlere Ganzkörper-SAR” 0,08 W/kg bzw. 2 W/kg Körpergewebe.
Bei Mobilfunksendern verwendet man direkt messbare Grenzwerte, die die elektrische Feldstärke in Volt pro Meter (V/m) und die magnetische Feldstärke oder Watt pro Quadratmeter (W/m²) angeben. Für Mobilfunk-Basisstationen liegt der Grenzwert bei 41 V/m bzw. 4,5 W/m² für 900-MHz-Frequenzen (D1 und D2) sowie 58 V/m bzw. 9 W/m² für 1800 MHz-Frequenzen (E1 und E2). Für UMTS beträgt der Grenzwert 61 V/m bzw. 10 W/m².
In der 26. BImSchV sind neben diesen Vorsorgemaßnahmen gegen schädliche Umwelt­wirkungen von hochfrequenten Strahlungsquellen auch Regelungen für ortsfeste Niederfrequenzquellen getroffen. Der Niederfrequenzbereich bezieht sich auf die Hoch­spannungsanlagen der allgemeinen Energieversorgung und die Bahnstromversorgung.
Im Bereich der Expositionen stellt die Strahlen-Schutz-Kommission (SSK) fest, dass bei verschiedenen elektrischen Geräten der Magnetfeldfrequenzwert bis zu 80 fach überschritten ist und z.B. bei Küchenmaschinen und Bohrmaschinen auch der Basisgrenzwert überschritten werden kann (siehe hierzu die Antwort der Bundesregierung auf meine Kleine Anfrage Ds.-Nr. 16/10701 vom 23.10.2008 “Expositionen im Bereich der niederfrequenten Strahlung”).
Das Bedürfnis der Mehrheit in der Gesellschaft nach Arbeitserleichterung durch Elektrogeräte und mobiler Kommunikation ist das Dilemma einer kleinen Minderheit: der Menschen, die unter Elektrosensibilität leiden. Die Grünen im Europa-Parlament haben im März 2009 beantragt, die Mitgliedsstaaten aufzufordern, Elektrosensibilität als Krankheit anzuerkennen.

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