Stromwechselparty – Atomausstieg selber machen

Durch größere Nachfrage Konzerne zum Umdenken bringen

Karlsbad-Langensteinbach. Auf reges Interesse stieß die Stromwechselparty des Kreisverbandes Karlsruhe-Land am Donnerstag den 23.09.2010. In die Aula des Schulzentrums Langensteinbach waren zahlreiche Besucher aus der Verbandsgemeinde Karlsbad und umliegenden Orten gekommen. Unterstützung gab Karlsruhes Grüne Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl, die in Ihrer Fraktion Sprecherin für Atompolitik ist.
“Ziel von Stromwechselpartys ist es, dass sich die Gäste nicht wie auf einer Verkaufsveranstaltung umworben fühlen, sondern dass sie aus eigenem Antrieb und aus gesundem Menschenverstand ihren Energielieferanten aussuchen”, erläuterte die Abgeordnete.
Die meisten Menschen in der Gegend beliefert der Atomstrom-Riese EnBW. “Die Verbraucher dürfen nicht glauben, angeblich billige Kilowattstunden wären das einzige was sie bezahlen müssen”, sagt Sylvia Kotting-Uhl über Atomstrom und führt weiter aus: “dass alle Bürger über Steuern die Atommüll-Entsorgung mit bezahlen, ob sie wollen oder nicht. Je mehr aber sauberer Strom verlangt wird, desto mehr davon wird auch produziert werden und desto günstiger wird er naturgemäß für die Verbraucher. Also gilt es, auch durch größere Nachfrage die Konzerne zum Umdenken zu bringen.” Danach reiche es auch nicht, Strom mit grünem Etikett zu kaufen, wenn der Anbieter dahinter zu einem der großen Atom-Müll-Produzenten wie EnBW, RWE, Eon oder Vattenfall gehöre.
Die Grünen und die Anti-Atom-Bewegung empfehlen vier andere Strom-Anbieter. So lagen auf der Stromwechselparty Vertragsunterlagen der EWS (Elektrizitätswerke Schönau), von Naturstrom, Lichtblick und Greenpeace Energy aus. Dieses Quartett liefert entsprechend der Kriterien der Grünen wirklich sauberen Strom.
Eine Vertreterin der EWS war auch gekommen: Eva Stegen erklärte, woher genau der Strom der EWS komme. Demnach wird die Energie in Wasserkraftanlagen hergestellt, die nicht älter sind als sechs Jahre. Dadurch entstehe wiederum ein Impuls am Markt, in derartige Kraftwerke zu investieren. Zusätzlich bieten die EWS Strom aus kommunaler Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und fördern so eine Technologie, die unersetzlich für den ökologischen Umbau der Energielandschaft ist. Darüber hinaus fördern die EWS und ihre Kunden über das “Sonnencent-Programm” kleine Stromerzeugungsanlagen, um die Dezentralisierung und Demokratisierung der Stromerzeugung weiter voranzutreiben. Gefördert werden insbesondere neue KWK- und Photovoltaik-Anlagen.
Auf der Party ließen sich einige Besucher die Kosten der vier Ökostromanbieter im Vergleich zu ihren bisherigen Versorgern anhand ihrer Jahresstromrechnung ausrechnen.
Sylvia Kotting-Uhl  klärte außerdem über die Folgen der Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke auf. Abenteuerlich sei es gewesen, wie der Deal zwischen Eon, Vattenfall, RWE, EnBW und der Bundesregierung zu Stande kam. Aber das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Neun Bundesländer, die Grünen, die SPD und einige Umweltverbände haben schon ihre Klagen vor dem Verfassungsgericht angekündigt. Es geht darum, ob der Bundesrat als mitentscheidendes Gremium in der Frage der Laufzeitenverlängerung umgangen werden kann. Im Bundesrat ist kein Beschluss für eine Verlängerung zu erwarten, seit dort nach der NRW-Wahl die schwarz-gelbe Mehrheit dahin ist.
Strom wechseln kann jede/r, auch wer zur Miete wohnt.
 
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