Unsere Atomsuppe auf dem Weg nach Lubmin

“Solange wir nicht wissen, wo das Endlager am Ende sein wird, finden überflüssige Transporte quer durch die Republik statt. Politische Aufgabe ist, sie zu minimieren. Jeder Atommüll-Transport ist eine Gefährdung der Bevölkerung.” stellte Sylvia Kotting-Uhl, Atompolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, am Vorabend des ersten Atommülltransports dieses Jahres fest.
Rund 50 Interessierte waren der Einladung des Grünen Kreisverbands Karlsruhe zur Veranstaltung rund um die Karlsruher “Atomsuppe” ins Jubez-Café gefolgt. Viele Fragen standen in Raum. So auch die Frage nach dem sicheren Endlager. “Wo Atommüll sicher ist? Bisher nirgends. Es gibt weltweit noch kein in Betrieb genommenes Endlager für hoch radioaktiven Müll.” erläuterte die Bundestagsabgeordnete. “Das Geschäft mit den Transporten liegt in den Händen der GNS – eine 100%ige Tochter der Konzerne. So verdient die Atomwirtschaft auch nochmal an ihrem Müll.” lautete ihre Antwort auf die Frage, wer von den Transporten profitiere.
Um die Energiepolitik der Landesregierung ging es im Beitrag der Landtagskandidatin Gisela Splett: “Die schwarz-gelbe Landesregierung hat sich zum Sprachrohr der Atomlobby gemacht. Sie ignoriert die mit der Atomenergie verbundenen Risiken und legt dem Ausbau der Erneuerbaren Steine in den Weg.”
Beide Politikerinnen wiesen auch auf die extrem gesundheitsgefährdenden Praktiken des Uranabbaus hin, der überwiegend in sehr niedrig besiedelten und überwiegend von indigener Bevölkerung bewohnten Landstrichen erfolgt – etwa in Namibia, Niger, bei den australischen Aboriginees oder im Indianergebiet des Grand Canyon. Auf die daran anknüpfende Publikumsfrage zu der Verwendung von Atomsprengköpfen bei der Produktion von Atomenergie konterte Sylvia Kotting-Uhl: “Ja, die werden genutzt. Man stellt sich Recycling ja irgendwie anders vor. Aber das verringert im Moment noch etwas den Druck auf die Abbaugebiete”.
Auf die besondere Atomhistorie der Stadt Karlsruhe wies Wilhelm Knobloch, “Urgestein” und Mitbegründer der Anti-Atomkraftbewegung hin. Dank seines Engagements verfügt das Generallandesarchiv in Karlsruhe über eine bundesweit einzigartige, öffentlich zugänglich Materialsammlung über den steinigen Weg der Stadt zum Atomkraft-Standort mit Kernforschungszentrum und Wiederaufbereitungsanlage. Auch er beklagte den Zustand des verseuchten Altrheinarms in Linkenheim und begrüßte das Wiedererstarken der Anti-Atomkraftbewegung.
Zum Ausklang des Abends wies Alexander Salomon, Grüner Landtagskandidat für Karlsruhe West, darauf hin, dass die Karlsruher Grünen gegen den für die Castortransporte verfügten Abstandskorridor von jeweils 50 Metern zu den Gleisen Klage eingereicht hätten. Auch lud er alle Anwesenden zum Besuch des Grünen Infostands bei der Nachttanzblockade ein.

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