Verstrahlte Geisterstadt

Badische Neueste Nachrichten

Film „Verwundete Erde”

Im April 1986 feiern Piotr und Anya in der russischen Kleinstadt Prypjat ihre Hochzeit. Alle sind fröhlich, es wir getrunken, getanzt und gesungen. Währenddessen ist der Physiker Alexei mit seinem Sohn Valery in der Natur unterwegs und sie pflanzen gemeinsam einen kleinen Apfelbaum. Das Unheil im nahe gelegenen Kernkraftwerk Tschernobyl kündigt sich bereits an.

Was die Menschen von Prypjat zu dieser Zeit noch nicht wissen: Nach einer Explosion tritt Strahlung aus, die die Umgebung verseucht. Erst stirbt die Natur, dann die Tiere. Und bis die ersten Menschen sterben, dauert es nicht lange. Denn der Bräutigam Piotr ist Feuerwehrmann, er muss zum Einsatz an das Atomkraftwerk und stirbt durch die hohe Radioaktivität, der er ausgesetzt ist. Prypjat, einst eine ukrainische Vorzeigestadt, wird viel zu spät evakuiert und im Laufe der Zeit zur Geisterstadt. Das Riesenrad, auf dem nie jemand seine Runden drehte, steht heute noch als stilles Mahnmal im Stadtzentrum. Zehn Jahre später führt die einstige Braut Anya, die bereits ihre Haare zu verlieren beginnt und das schwere Trauma mit sich herum schleppt, schaulustige Touristen durch den Ort des Geschehens und zum „Sarkophag von Tschernobyl“. Der mittlerweile jugendliche Valery sucht nach seinem Vater, der Physiker am Kraftwerk war und aufgrund der Anweisung zum Stillschweigen den Verstand verloren hat. All dies ist eine Mischung aus Fiktion und Realität des Films „Verwundete Erde“, der aus Anlass des 30. Jahrestags der Atomkatastrophe von Tschernobyl im Karlsruher Kino „Kurbel“ gezeigt wurde und zu dem der Kreisverband der Grünen eingeladen hatte. „Dieses Jahrhundert wird das letzte sein, in dem es Atomkraftwerke gibt“, erklärte die Karlsruher Grünen-Bundestagsabgeordnete und Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl (Foto: dpa) im Anschluss an den Film. Den Grund dafür sieht sie allerdings nicht in einem Umdenken, sondern in den hohen Kosten. „Wirtschaftlich rechnen sich die Kraftwerke einfach nicht mehr.“

Als einen unhaltbaren Zustand bezeichnete Kotting-Uhl die derzeitige Sicherheitssituation um die AKW: Gefälschte Protokolle, nicht gemeldete Störfälle und die offene Frage nach der Endlagerung des Atommülls. „Wir haben eine Technologie, deren Auswirkungen grenzüberschreitend sind. Aber die Aufsicht über die Sicherheit ist national begrenzt. Das müssen wir ändern“, erklärte sie und verwies auf die derzeitige Debatte mit Belgien um die Reaktoren Tihange 2 und Doel 3.

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | FORUM | 23.04.2016

Von unserer Mitarbeiterin Janina Beuscher

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