ITER – Verzögerungen, Kostensteigerungen, Zielverfehlung

Ein von meiner Bundestagsfraktion und mir beauftragtes Gutachten bringt bisher unbekannte Probleme der Kernfusionsforschung, insbesondere des internationalen ITER-Projekts, ans Licht. ITER verfehlt ein Ziel nach dem anderen und wird bestenfalls noch einen Bruchteil der ursprünglich für essenziell gehaltenen Erkenntnisse liefern – und selbst das viel zu spät. Immer klarer wird, dass Kernfusion für die notwendige Energieversorgung der Zukunft viel zu spät kommen wird, wenn überhaupt jemals.

Keine zukunftsfähige Technologie

ITER ist seit jeher geprägt von Verzögerungen und Kostensteigerungen. Das wissenschaftliche Gutachten zeigt nun, dass daher die Projektziele von ITER in den letzten zwei Jahrzehnten sukzessiv reduziert wurden. So soll die experimentelle Grundlage zur Erreichung der wesentlichen wissenschaftlichen Projektziele von ITER erst ab etwa 2037 entwickelt werden. Und die Fusionsreaktion muss nicht, wie ursprünglich geplant, 10.000 Sekunden aufrechterhalten werden, sondern nur noch 10 bis 50. Obwohl von den ursprünglichen, für essentiell gehaltenen Projektzielen nur noch ein Bruchteil verblieben ist und der verbliebene Erkenntnisgewinn entsprechend geschrumpft, sollen jedoch mindestens weitere 10 Milliarden Euro bis zur Fertigstellung und weitere Milliardensummen für den Betrieb bis 2040 investiert werden.

Diese ursprünglichen Projektziele von ITER adressierten komplexe Probleme, deren Lösung für das Betreiben von Fusionsreaktoren unabdingbar ist. Daher soll ihre Erforschung in noch kostspieligere Projekte ausgelagert werden. ITER wird immer mehr zum Verpackungsschwindel.

Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass – anders als bislang allgemein angenommen – ITER keinen Beitrag mehr zu dem Ziel liefern wird, bis 2050 Strom in einem Fusionskraftwerk zu produzieren.

Tatsächlich stellt sich sogar heraus, dass Kernfusion mit Tokamak-Technologie von ITER, nicht zu wettbewerbsfähiger Energiegewinnung beitragen wird. Trotz erheblicher Mehrausgaben ist der eigentliche Daseinszweck von ITER somit bereits verfehlt.

Atomforschung wird weiterhin privilegiert

Obwohl Deutschland schon lange beschlossen hat, aus der Atomenergie auszusteigen, finanziert die Bundesregierung über den EU-Haushalt weiterhin die kostspielige und von Problemen geprägte Kernfusionsforschung. Der größte Teil der Gelder fließt dabei an das schon lang stark in der Kritik stehende, internationale Kernfusionsforschungsvorhaben ITER, in den kommenden Jahren sogar so viel wie nie.

Generell wird Atomforschung zulasten aller anderen Energieforschung privilegiert. Das geht aus einer Regierungsantwort auf meine schriftliche Frage hervor. So werden für Atomforschung, mit einem Löwenanteil für Fusion, 5,3 Milliarden Euro aufgewendet. Für alles andere – Netze, Speicher, Energieeffizienz, Energieeinsparung und -wende – gibt es zusammen nur 5,9 Milliarden Euro.

Wir fordern eine zukunftsweisende Energieforschung

Es wird also deutlich: Die EU und mit ihr Deutschland investieren nach wie vor horrende Summen in Kernfusionsforschung, obwohl erwiesen ist, dass das Hauptprojekt ITER krachend scheitert. Neben Verzögerungen und massiven Kostensteigerungen, wird das Ziel, 2050 zur Stromversorgung beizutragen, völlig verfehlt. Und die ITER Technologie sogar als langfristig nicht wettbewerbsfähig eingestuft.

Meine Bundestagsfraktion und ich fordern: Die Bundesregierung muss sich damit beschäftigen und hinterfragen, ob die Förderung von ITER noch sinnvoll ist. Es ist höchste Zeit, den blinden Glauben an Kernfusion abzulegen und die Mittel in die zukunftsgewandte Energiewende zu investieren.

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