Kotting-Uhl, MdB, Bundestag, Bündnis 90/Die Grünen, Karlsruhe

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Viel Zeit für die Sicherheit

Teilnehmer der Atomtage im Kernkraftwerk – Rückbau: warten auf Endlager und „Konrad“

Philippsburg. Wer das Gelände des Kernkraftwerks in Philippsburg (KKW) für eine Besichtigung betritt, der muss einigermaßen Zeit mitbringen. Zum einen natürlich, weil das Betriebsgelände groß ist, zum anderen, weil Besucher mehrere aufwändige Sicherheitsschleusen passieren, bei denen der Tross regelmäßig für eine Weile ins Stocken kommt. Diese Erfahrung machten auch Teilnehmer der Karlsruher Atomtage, die in Karlsruhe stattfanden. Die knapp 30 Personen starke Gruppe, die sich zur Fahrt nach Philippsburg angemeldet hatten, konnte auch einen Blick in das Herzstück des KKW werfen. Das ist der Druckreaktorbehälter von Block 2 – dem Block, der bis Ende 2019 in Betrieb sein wird – samt abgebrannter, hoch radioaktiver Brennstäbe, die im Abklingbecken lagern.

Der Kraftwerksbetreiber, die Energie Baden-Württemberg (EnBW), ist derzeit dabei, die Genehmigung für den Rückbau des schon abgeschalteten Block 1 zu erlangen. „Wir erwarten diese Genehmigung für das zweite Halbjahr“, sagte Kraftwerksmanager Jörg Michels. Er verantwortet den Rückbau in allen drei Kernkraftwerken des Konzerns: Philippsburg, Obrigheim, Neckarwestheim.

Er machte keinen Hehl daraus, dass bis zum Unglück im japanischen Fukushima sämtliche Kraftwerksmitarbeiter mit Planungen zur Modernisierung der Anlagen beschäftigt gewesen seien. Dann habe man schnell umgeschwenkt und den Rückbau eingeleitet. Er betonte in Anwesenheit der Grünen-Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl, dass die EnBW einen verantwortungsvollen Rückbau vornehmen wollte. Dafür stünden eine umfangreiche Beteiligung der Öffentlichkeit und die Qualifikation der Mitarbeiter.

Rund 400 000 Tonnen an Masse wird der Rückbau von Block 1 verursachen. Davon umfassen die hoch radioaktiven Brennelemente lediglich ein Prozent. Sie verbleiben zunächst im Zwischenlager-Standort auf dem Kraftwerksgelände – so lange, bis in zwei, drei oder vier Jahrzehnten ein Endlager fertig gebaut sein könnte. Hinzu kommen schwach- und mittelradioaktive Abfälle, die im Schacht „Konrad“ gelagert werden, sobald dies möglich ist. Etwa 97 Prozent des Materials, so Michels, seien aber in der Entsorgung unproblematisch, weil es nicht radioaktiv sei.

Teilnehmer formulierten allerdings Zweifel, unter anderem in der Frage der Entsorgung von schwach kontaminierten Teilen der Industrieanlage. Sie sollen nach ihrer Dekontaminierung freigemessen werden, das bedeutet, sie werden als nicht mehr strahlend eingestuft. Dann könnten sie auf einer Deponie landen, was die Entsorgung deutlich günstiger macht.

Für Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin ihrer Fraktion im Deutschen Bundestag, war es der erste Besuch im Philippsburger Kraftwerk. „Ich war aber schon in einigen anderen Kraftwerken, auch im Ausland“, sagt sie. Die Philippsburger Standards wünsche man sich dort auch, sagte sie während des Rundgangs, beispielsweise im elsässischen Kraftwerk Fessenheim.

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | AUS DER REGION | 18.07.2016
Von unserem Mitarbeiter Marcus Dischinger