Vorwurf der „Scheinheiligkeit“

Badische Neueste Nachrichten

Grünen-Abgeordnete schreibt Philippsburger Schultes

Philippsburg/Karlsruhe (madl). „Scheinheilig“ ist ein Vorwurf, der in der Debatte um die Rückführung von fünf Atommüllbehältern aus Frankreich nach Deutschland schon öfter gebraucht wurde. Jetzt hält die grüne Karlsruhe Bundestagsabgeordnete Silvia Kotting-Uhl dem Philippsburger Bürgermeister Stefan Martus eben jenes vor. Er verhalte sich scheinheilig, wenn er die zusätzliche Aufnahme von fünf „Castor“-Behältern ins Zwischenlager beim Kernkraftwerk Philippsburg für unzumutbar halte. Die Politikerin hält dem CDU-Bürgermeister nämlich vor, wie er sich verhalten habe, als die Laufzeiten der Atommeiler verlängert wurden. Damals habe es vonseiten Martus’ keinen Aufschrei gegeben.

Konkret schreibt Kotting-Uhl: „Ich will Ihnen die Rechnung gerne aufmachen: Im Siedewasserreaktor Philippsburg I sind pro Betriebsjahr durchschnittlich 100 abgebrannte Brennelemente angefallen. Bei acht Jahren Laufzeitverlängerung waren das zusätzliche 800 abgebrannte Brennelemente und damit 16 zusätzliche Castoren gewesen. Im Druckwasserreaktor Philippsburg II fallen pro Jahr durchschnittlich 48 abgebrannte Brennelemente an. Bei 14 Jahren Laufzeitverlängerung waren das 672 abgebrannte Brennelemente und 36 zusätzliche Castoren gewesen.“

In ihrem Brief an Martus betont die Abgeordnete, dass die Zwischenlagerung auf 40 Jahre begrenzt ist. Je schneller ein Endlager gefunden werde, desto eher könnten diese 40 Jahre auch eingehalten, schreibt Kotting-Uhl sinngemäß. Hier die Grüne dem Grunde nach positiv, denn „mit Inkrafttreten des fraktionsübergreifend beschlossenen Standortauswahlgesetzes ist nun endlich der Weg frei für eine ergebnisoffene vergleichende Suche nach dem besten Standort für das Endlager für hoch radioaktiven Müll in Deutschland.“

Gegenüber Stefan Martus erklärt sie freilich, sie teile seine Sorgen, wonach die Einlagerung radioaktiven Materials eine Belastung für Bürger darstellt. Niemand hat gern vor seiner Haustür strahlenden Atommüll. Atommüll sei aber nun mal die Hinterlassenschaft der Produktion von Atomstrom – seine endgültige möglichst sichere Verwahrung werde noch Sorgen genug machen.

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | AUS DER REGION | 31.07.2013

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