Wenn der Tod zum Politikum wird

Badische Neueste Nachrichten
Vor der Entscheidung im Bundestag: Diskussion in Karlsruhe befasst sich mit dem Thema Sterbehilfe
Ärztliche Sterbehilfe wird in Kalifornien legal
Von unserem Redaktionsmitglied Christopher Töngi
Karlsruhe. Es ist ein heikles Thema, das immer wieder für kontroverse Diskussionen sorgt: die Sterbehilfe. Wenn kranke Menschen sich den Tod wünschen, darf man ihnen dabei helfen? Und sollte es Vereine geben, die einen Kranken zum Tod begleiten? Um diese Fragen dreht sich morgen Abend (19.30 Uhr) eine Diskussion im Karlsruher Heinrich-Hansjakob-Saal, an der neben der Karlsruher Grünen-Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl auch Marion Schafroth von der Vereinigung für humanes Sterben („Exit“) und Patrik Schneider von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) in der Erzdiözese Freiburg teilnehmen.
„Mir ist wichtig zu erfahren, wie die Meinung der Bürger zum Thema Sterbehilfe ausfällt“, erklärt Kotting-Uhl. Gleichzeitig wolle sie noch einmal informieren und klarmachen, welche „elementare Entscheidung“ im Herbst in Berlin fallen könnte. Denn: Bereits nächsten Monat will der Bundestag die Sterbehilfe in Deutschland neu regeln. Kotting-Uhl hofft dann auf eine Klärung. „Bislang ist die Rechtslage in der Realität extrem unübersichtlich“, findet die Grünen-Abgeordnete. Für sie stehe der Mensch mit seiner Selbstbestimmung im Mittelpunkt. „Ich bin dagegen, dass die Rechtslage beim Thema Sterbehilfe über das Strafgesetzbuch verschärft wird.“
Es liegen vier verschiedene Gesetzentwürfe vor, über die die Abgeordneten ohne „Fraktionszwang“ abstimmen können. Grundsätzlich zielt jeder dieser Entwürfe darauf ab, geschäftsmäßig organisierte Sterbehilfe zu unterbinden. Das befürworten laut einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) auch eine Mehrheit der Ärzte. Wie aus der Studie zudem hervorgeht, lehnen 56 Prozent der Befragten ärztlich assistierten Suizid grundsätzlich ab, 21 Prozent sehen die Notwendigkeit einer strafrechtlichen Änderung.
Auch in den USA sorgt das Thema Sterbehilfe für mächtig Zoff. Im US-Bundesstaat Kalifornien dürfen Ärzte todkranke Menschen trotzdem in Zukunft beim Suizid unterstützen. Gouverneur Jerry Brown ließ gestern das umstrittene Gesetz in Kraft treten. Die Beihilfe bedeutet, dass der Patient auf seinen Wunsch hin ein Mittel zur Selbsttötung vom Arzt erhält. Zwei Ärzte müssen allerdings bestätigen, dass der Kranke nurmehr höchstens sechs Monate zu leben hat.
Service
Das Thema Sterbehilfe steht morgen Abend (19.30 Uhr) im Mittelpunkt einer Diskussion im Karlsruher Heinrich-Hansjakob-Saal (Ständehausstraße 4). Dabei werden unter anderem die Gesetzentwürfe vorgestellt und diskutiert.
Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Ettlingen | POLITIK | Seite 4

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